Wo Musik Heimat hörbar macht: Ein außergewöhnlicher Bläsergottesdienst und eine besondere Begegnung in Petersberg


Mit Verstärkung aus Deutschland traten die Burzenbläser zu einem besonderen Gottesdienst in Petersberg auf

Sonntag, der 5. Juli, wird vielen Besucherinnen und Besuchern des evangelischen Gottesdienstes in Petersberg noch lange in Erinnerung bleiben. Was die Kirchengemeinde an diesem Tag erleben durfte, war weit mehr als ein musikalischer Höhepunkt – es war ein Fest der Begegnung, der Gemeinschaft und der lebendigen evangelischen Kultur.

Auf Initiative von Pfarrer Dr. Peter Klein, selbst mit Herzblut Mitglied der Burzenbläser, traf sich eine Bläsergruppe aus Deutschland mit den Burzenbläsern zu einem gemeinsamen Probenwochenende. Die musikalische Leitung hatte Helmut Fladda übernommen, ein erfahrener und langjähriger Leiter verschiedener Bläserensembles. Schon nach den ersten Proben war spürbar: Hier stand nicht nur ein versierter Dirigent am Pult, sondern ein musikalischer Coach, der es verstand, Begeisterung zu wecken, Reserven freizusetzen und aus einem bunt zusammengewürfelten Ensemble innerhalb kürzester Zeit eine harmonische und klangvolle Einheit zu formen.

Das von ihm ausgewählte Programm führte die Zuhörer auf eine abwechslungsreiche Reise durch die Musikgeschichte – vom Barock über Klassik und Romantik bis hin zu zeitgenössischen Kompositionen. Die Stücke waren ebenso feinfühlig wie temperamentvoll und vermittelten den Eindruck, dass hier nicht nur mit großer Freude musiziert wurde, sondern wahre musikalische Leckerbissen dargeboten wurden.

Bläsergottesdienste gehören inzwischen leider auch in unseren evangelischen Gemeinden zu den selten gewordenen Kostbarkeiten. Umso schöner war es, dass sich die Kirchengemeinde Petersberg diesen „Luxus“ gönnte und ihren Gästen einen festlichen Gottesdienst schenkte, dessen musikalische Gestaltung die Botschaft des Tages auf besondere Weise unterstrich.

Für uns Bläser waren bereits die Vorbereitungen Teil dieses besonderen Erlebnisses: Noten mussten beschafft und an die verschiedenen Instrumente angepasst werden, intensive Proben standen auf dem Programm – und all das in einer Atmosphäre herzlicher Gastfreundschaft. Elke und Peter Klein sorgten mit großer Hingabe nicht nur für die organisatorischen Voraussetzungen, sondern auch für eine liebevolle Bewirtung, die den Gemeinschaftssinn spürbar machte. Sicher bedeutete dies einen erheblichen persönlichen Einsatz, doch jeder Beteiligte wird bestätigen können, dass sich dieser Aufwand in jeder Hinsicht gelohnt hat.

Besonders erfreulich war auch die Mitwirkung von Dietmar Abraham, Nachbarvater der HOG Petersberg. Er war nicht nur als Ehrengast angereist, sondern nahm selbst aktiv in den Reihen der Bläser Platz. So wurde auch die Brücke zu den ausgewanderten Petersbergern sichtbar, deren Verbundenheit mit ihrer alten Heimat bis heute lebendig geblieben ist.

Dabei ging es an diesem Wochenende um weit mehr als um Musik. Es ging um Begegnungen, um Heimat, um gelebte Kultur und um die Verantwortung für ein gemeinsames Erbe. Gerade die eindrucksvolle Kulisse der sorgfältig restaurierten Kirchenburg und der liebevoll gepflegten Kirche machte deutlich, wie viel Engagement hier in den vergangenen Jahren investiert worden ist. Petersberg entwickelt sich immer mehr zu einem Ort, der Menschen anzieht, die Sinn für Geschichte, Schönheit und kulturelles Erbe haben.

Passend dazu wurde nach dem Gottesdienst die Ausstellung der archäologischen Grabungen eröffnet. Zwischen Gottesdienst und Vernissage bot sich bei einem Erfrischungsgetränk reichlich Gelegenheit zu Gesprächen und Begegnungen. Die Ergebnisse der in den vergangenen Jahren unter der Leitung von Frau Dr. Marcu-Istrate durchgeführten Ausgrabungen lassen die Geschichte der Kirchenburg in neuem Licht erscheinen. Mauern und Steine beginnen gleichsam zu erzählen und schlagen eine Brücke von den Anfängen der sächsischen Besiedlung bis in unsere Gegenwart. Vergangenheit wird greifbar und macht deutlich, dass Heimat immer auch aus Erinnerung, Verantwortung und Weitergabe besteht.

Diesen Gedanken griff Pfarrer Dr. Peter Klein auch in seiner Predigt auf. Ausgehend vom Bibelwort „Nun seid ihr nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Gottes Hausgenossen“ erinnerte er daran, dass Heimat weit mehr ist als ein geografischer Ort. Heimat entsteht dort, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen, wo Glaube gelebt, Kultur gepflegt und Gemeinschaft erfahren wird. Gerade in einer Zeit, in der evangelische Gemeinden zahlenmäßig klein geworden sind, gewinnen Kirche, Musik und gemeinsames Feiern eine umso größere Bedeutung. Sie bewahren Werte, schaffen Identität und geben Menschen das Gefühl, zu Hause zu sein.

So wurde dieser Sonntag zu einem eindrucksvollen Beispiel dafür, wie Musik Menschen verbindet – über Generationen und Ländergrenzen hinweg. Die Klänge der Bläser erfüllten nicht nur das Kirchenschiff, sondern auch die Herzen der Anwesenden. Sie machten hörbar, was christliche Gemeinschaft ausmacht: Freude am Glauben, Offenheit füreinander und die Bereitschaft, gemeinsam Verantwortung für das zu übernehmen, was uns anvertraut ist.

Möge dieses gelungene Wochenende nicht nur eine schöne Erinnerung bleiben, sondern zugleich Ermutigung sein, auch künftig solche Begegnungen zu ermöglichen. Denn dort, wo gemeinsam musiziert, gebetet und Geschichte lebendig gehalten wird, wächst das Bewusstsein dafür, was Heimat wirklich bedeutet.

Kirchenmusiker Klaus Dieter Untch, Zeiden

Mitglied der Burzenbläser