Transilvanian Brunch in Großschenk begeistert internationale Gäste


Und wieder ließ das kulinarische Angebot beim Transilvanian-Brunch - diesmal in Großschenk - keine Wünsche offen, die Dorffrauen hatten sich nämlich richtig ins Zeug gelegt. Bild: hk

Es war ein buntes Publikum, das sich an einem Samstag Ende August im Kirchhof der frisch renovierten Kirchenburg in Großschenk (Cincu) versammelte – einer mächtigen Kirchenburg, die in früheren Zeiten zu den sieben Stühlen der Siebenbürger Sachsen gehörte, dort wo unter anderem verwaltet, regiert und (hin)gerichtet wurde.

Denn es fand wieder eines der beliebten und gut besuchten Transilvanian Brunches statt, und zwar mit rund 50 Gästen – organisiert von der Stiftung Kirchenburgen der EKR, um eben dieses Kulturerbe hervorzuheben und einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Aber auch, um die Besucher für dieses besondere Erbe der Siebenbürger Sachsen zu sensibilisieren und im Idealfall dafür zu begeistern, den Erhalt dieser wertvollen Bauten zu unterstützen – durch materielle und immaterielle Hilfe.

Es waren – wahrscheinlich das erste Mal – Gäste aus Sardinien dabei, dann das „Stammpublikum“, das heißt rumänische Familien aus den Großstädten Siebenbürgens, die diese Art der Freizeitgestaltung sehr schätzen, Mitglieder der Heimatortsgemeinschaft aus Deutschland mit ihrem Vorsitzenden Hermann Wolf und dessen Stellvertreter Michael Gottschling, der auch gleichzeitig den Verein des Urzellaufs leitet. Der Urzellauf in Großschenk ist ein traditioneller Fastnachtsbrauch, bei dem maskierte Urzeln mit Peitschenknallen, Schellenklingen während langer Umzüge den Winter vertreiben.

Auch Kurator Helmut Melzer lebt in Deutschland, verbringt indes das halbe Jahr in Großschenk, um sich um die Kirchenburg zu kümmern. Hauptamtlich macht das Brigitte Boghian. Sie ist Küsterin, Kirchenführerin, Mädchen für alles - einfach die gute Seele der Kirchengemeinde. Sie und weitere Frauen des Dorfes kümmerten sich auch um den reich gedeckten Tisch für die Brunch-Gäste.

Die Konsulin der Bundesrepublik Deutschland in Hermannstadt, Wiebke Oeser, ließ es sich ebenfalls nicht nehmen, zum ersten Mal – wie sie bekannte – bei so einer Veranstaltung dabei zu sein, wie auch das Pfarrerehepaar Oehme aus Moritzburg bei Dresden, das seit Jahren den Sommer in Siebenbürgen verbringt und mit Gottdesdiensten und sonstigen ehrenamtlichen Aktivitäten zur Entlastung der Gemeinden beiträgt.

Das Büffet ließ auch diesmal keine Wünsche offen. Die Frauen vor Ort hatten sich mächtig ins Zeug gelegt und Suppen, unterschiedlich zusammengesetzen Gemüseaufstriche und danach verschiedenen Kuchen wie Hanklich, Buchteln und Pflaumenkuchen aufgetischt. Vor allem die ausländischen Gäste aus Italien und Deutschland waren von der Vielfalt und Kreativität der siebenbürgischen Küche angetan. Eine besondere Spezialität stellte Marlene Herberth vor – eine Weinsuppe, die sie im Kochbuch ihrer Großmutter von 1905 fand und die früher vor allem als Rezept gegen Erkältung galt.

Marlene Herberth eröffnete gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Kirchenburg-Stiftung, Cristian Cismaru, diese Veranstaltung, und wies darauf hin, wie wichtig es sei, durch verschiedenste Initiativen das Dorfleben zu beleben. So haben sich zum Beispiel neun Jungendliche bereit erklärt, ehrenamtlich Kino-, Theaterabende, Workshops zu handwerklich-künstlerischen Tätigkeiten zu organisieren.

Herberth ist eine sehr engagierte Künstlerin und Kuratorin. Gemeinsam mit ihrem Gatten, Alex, der ebenfalls in diesem Bereich tätig ist, haben sie durch einige interessante Ausstellungen in den Räumen der Kirchenburg auch über die Grenzen Siebenbürgens hinweg auf sich aufmerksam gemacht. Mit dem Ergebnis, dass nun Marlene Herberth die Leitung des landeskirchlichen Kultur- und Begegnungszentrums der Evangelischen Kirche A.B. in Hermannstadt, das so genannte Teutsch-Haus, übernimmt.

Grundsätzlich läuft es bei einem solchen Brunch so ab, dass Geschäftsführer Cismaru bei der Begrüßung der Gäste auch erklärt, dass ein Teil des Eintrittsgeldes für Reparatur- bzw. Renovierungsarbeiten der Kirchenburgen gedacht ist, und dass dieser – zugegeben kleine Beitrag – dazu anregen soll, weiter für Projekte rund um die Kirchenburgen zu spenden.

Nach dem Essen, das auf jeden Fall immer für gute Stimmung und gute Laune sorgt, folgt eine Kirchenführung, um die sich diesmal die Küsterin Brigitte Boghian kümmerte. Das ist immer eine gute Gelegenheit, um ganz allgemein auf die Geschichte der Siebenbürger Sachsen einzugehen, denn die Fragen dazu bleiben nicht aus.

Am Nachmittag wird dann an die Kinder gedacht. Andreea Manastirean, Mitarbeiterin in der Stiftung Kirchenburgen, hat mittlerweile für rund 20 Kirchenburgen ein Quizheft erstellt, in dem unterschiedlichste Fragen zur Geschichte oder der Architektur der Kirchenburg abgefragt werden.

Diesmal galt es Fragen zu Großschenk zu beantworten, wobei die Erwachsenen ebenfalls begeistert mitmachten. Mittlerweile fragen auch Schulen an, ob sie diese Hefte bekommen können. Zusätzlich zeigten die Volontärinnen des Dorfes den Kindern, wie sich die Urzeln malen lassen. Modelle von den Urzel-Masken lagen auf den Tischen, so dass vor allem die Mädchen diese Masken malten. Die Jungs waren eher am Peitschen-Knallen interessiert, wobei sie schnell merkten, dass das nicht so einfach ist, die Peitschen zum Knallen zu bringen.

Die Erwachsenen kamen auch in den Genuss einer Führung durchs Urzel- und Dorfmuseum, das in Räumlichkeiten innerhalb der Kirchenburg eingerichtet ist. Dort hat das Ehepaar Herberth schon einige sehr beachtenswerte Ausstellungen organisiert, aktuell sind Arbeiten zweier spanischer Fotografen, die sich durch Zufall nach Großschenk „verirrt“ haben, ausgestellt. Sie waren so begeistert von der Sachsengeschichte, dass sie mit ihren Bildern ihre Sichtweise dieser Geschichte dargestellt haben.

In ihrer Führung wies Marlene Herberth darauf hin, dass diese Ausstellung schon in vielen Städten Europas gezeigt wurde und nun „nach Hause“ gekommen ist und auch in Großschenk für alle zugänglich ist. Selbst der musikalische Teil kam nicht zu kurz, denn immer mal wieder griff Kurator Melzer zum Mikrofon und gab sowohl rumänische, als auch deutsche und internationale Stücke zum Besten.

Die nächste Veranstaltung der Stiftung Kirchenburgen ist ein sogenannter Heritage Run in Birthälm, also Laufen rund um die Kirchenburg, und zwar am 12. September. Im letzten Jahr hatten sich 100 Teilnehmer gemeldet, die zum Teil mit der Kamera unterwegs waren, um diesen besonderen Lauf zu dokumentieren.

hk