Theologieprofessor und Pfarrer Dr. Johannes Klein erhält Honterusmedaille

Theologieprofessor und Pfarrer Dr. Johannes Klein (rechts) erhält neben Gustav Binder die diesjährige Honterusmedaille. Bild: HZ
Anlässlich des diesjährigen Sachsentreffens in Schönau wurde der Theologieprofessor und Pfarrer Dr. Johannes Klein mit der Honterus-Medaille ausgezeichnet. Die Laudatio wurde vom Mediascher Pfarrer Wolfgang Arvay gehalten, der seit 2006 Vorsitzender des Jugendwerkes der Evangelischen Kirche ist und immer noch gerne Jugendarbeit macht, wie er bekennt.
Im Folgenden dokumentieren wir diese Rede: „Es gibt in unserer Gesellschaft Menschen, die sich für die nachfolgende Generation interessieren, viel Zeit und Energie dafür aufwenden und auch Großes in diesem Bereich leisten. Solche Menschen sind eigentlich Schlüsselpersonen und so ein Mensch ist Dr. Johannes Klein, einer der beiden diesjährigen Preisträger der Honterusmedaille (der zweite Preisträger ist Gustav Binder).
Johannes Klein hat einen akademischen Doktortitel, und zwar in Theologie, doch das ist nur eines seiner Betätigungsfelder, denn genauso gut setzt er auch einen Stahlhelm auf und erledigt Arbeiten in großer Höhe, spielt mit Kindern auf einer Freizeit, hat da noch einen Diakonieverein zu betreuen oder ist als Stadtrat zuständig für bestimmte Fragen in der Lokalpolitik usw. usf.
Heute aber soll erzählt werden von seinem Beitrag für die Jugendarbeit, für die er sich seit vielen Jahren in verschiedenen Gremien einsetzt und entscheidende Weichen gestellt hat. Ich bin selber Pfarrer, also will ich aus der Offenbarung des Johannes einen Vers zitieren. Da steht, dass wir einmal diese Welt verlassen und in der Ewigkeit ankommen werden und uns da ausruhen können, denn die guten Werke folgen uns nach (Offenb. 14,13). Pfr. Johannes Klein hat sich noch nicht zur Ruhe gesetzt, er steht mitten im Leben, doch heute können und sollen wir von einigen dieser guten Werke erzählen.
- 2003 wurde der Deutsche Jugendverein Siebenbürgen gegründet. Dort war Pfr. Klein die ersten vier Jahre der Vorsitzender. Manche kennen ja den Verein „Banat JA“. „JA“ heißt so viel wie Jugend Arbeit. In Anlehnung daran sollte der Verein seinen Namen erhalten und zwar – „Siebenbürgen NEIN“, was so viel heisst wie – „n.E.“ Neue Einstellung, doch dann entschloss man sich doch für die etwas sachlichere Bezeichnung – „Deutscher Jugendverein Siebenbürgen“.
Wie dem auch sei, wir wollen diesen Verein hoch leben lassen, denn Pfr. Johannes Klein war vier Jahre lang der Vorsitzende und somit ist er es, der diesen Verein mit gegründet und aufgebaut hat, mit viel Einsatzbereitschaft und Umsicht, natürlich immer zusammen mit dem gewählten Vorstand. Viermal im Jahr wurden Schulungen für Jugendleiter eingeführt, bei denen sich die Leiter der Jugendarbeit vernetzen konnten und auch Zertifikate vergaben.
- Als Vorsitzender im DJS war er sodann auch im ADJ, im „Arbeitskreis deutscher Jugendorganisationen“, wo seine Stellungnahmen sehr geschätzt wurden.
- 2006 wurde er in den Vorstand des Jugendwerkes der evangelischen Kirche gewählt und stand der kirchlichen Jugendarbeit mit Rat und Tat zur Seite. Von daher bekam er bereits vorher etliche Impulse. 1998 wurde zum ersten Jugendtag von Pfarrdiakon Eberhard Beck nach Tartlau eingeladen, und dies nahm er zum Anlass, eine Gruppe von Jugendlichen zu mobilisieren. Der dritte Jugendtag fand 2002 in Hamruden bei Reps statt, und dies war der Anlass eine Band mit Jugendlichen aus Fogarasch auf die Beine zu stellen.
Die überregionale kirchliche Jugendarbeit entwickelte sich recht schnell, es war eine gute Zeit. Neben dem Jugendtag kam der Vorschlag, große Zeltlager für Kinder und Teenager zu organisieren. Es gab in der sächsischen Kirche Programme, auch in rumänischer Sprache, und da kam es zu Spannungen, welche letztendlich dazu führten, dass das Jugendwerk gegründet wurde. Pfr. Johannes Klein schaffte es - als ein ruhiger und besonnener Mensch - zwischen den verschiedenen Positionen zu vermitteln. Er wurde dann auch in den ersten Vorstand gewählt, auch Christiane Neubert, und so profitierte das Jugendwerk von der Erfahrung der beiden Fogarascher.
- Auf Initiative von Mitarbeitern der Evangelischen Kirchengemeinde A.B. Fogarasch und Mitgliedern der "Jugendbewegung" Fogarasch wurde 2010 der Verein "Jugendzentrum Seligstadt" gegründet, mit dem Ziel, das Pfarrhaus auszubauen, und sinnvoll zu nutzen und Mittel für geplante Aktivitäten einzwerben.
Mit Jugendlichen wurde das Haus entrümpelt, Apfelmost gepresst, wurden Wege gepflastert und Bäume gepflanzt. Ein Architekt entwarf den Umbau des Pfarrhauses, dessen Neueinweihung 2014 gefeiert wurde. Es kamen viele Häuschen, Säle und Schulräume dazu. Schließlich wurde noch das Fruchthaus ausgebaut und die Kirche mit europäischen Mitteln renoviert.
Vor 20 Jahren hatten viele Kirchen in Pfarrhäusern Gästezimmer eingerichtet, die inzwischen fast alle geschlossen wurden. Seligstadt aber entwickelte sich zu einem Zentrum mit zertifizierter Küche, wo eine Rechnung für Dienstleistungen ausgegeben werden kann, wo große Gruppen zu günstigen Preisen unterkommen können.
- Doch Pfr. Klein war das alles noch nicht genug. Nebenan in Bekokten wurde ein weiteres Zentrum für Kinderfreizeiten geplant, wo 2012 viele verschiedene Gebäude zu einem zweiten Standbein zusammen genommen wurden, zur sogenannten Kinderuni Bekokten. Hier werden nicht-formale Bildungsprogramme angeboten, welche die kognitiven, sozialen, emotionalen und praktischen Fähigkeiten von Kindern fördern, oder, um es einfacher auszudrücken, da können Kinder und Jugendliche Leben spielend entdecken.
Hier sieht man, wie viele Ideen in Pf. Kleins Kopf herumschwirren, die sich zusammen klumpen zu einer Strategie, indem einzelne Themenbereiche ausgebaut werden zu konkreten und differenzierten und pädagogisch gut durchdachten Angeboten, wofür Bekokten inzwischen an allen Schulen mit deutscher Unterrichtssprache bekannt ist. So viel mir bekannt ist, sind manche Angebote auch für rumänischsprachige Kinder offen.
Da ist die Kinderspielstadt Danubii, wo Kinder alle Aufgaben einer Stadt übernehmen - vom Bäcker und Bürgermeister bis hin zum Polizisten und Dieb.
Da gibt es den Zirkus Danubii wo unter fachkundiger Anleitung alles, was Zirkus bedeutet, selber eingeübt werden kann. Das ist der Traum vieler Kinder, andererseits können sie Ängste überwinden und gemeinsam großartige Vorstellungen einüben.
Da gibt es die Kinderuni, in der die Wissenschaft für Kinder begreifbar gemacht wird. Spezieller geht es sodann in der Elektronikfreizeit zu, kreativ im Waldtheater und musikalisch in der Singfreizeit, wo mehrere Generationen zusammen ein Musical aufführen. Es gibt noch weitere Angebote, worüber dann jeweils in der deutschen Presse in Rumänien nachzulesen ist. So beobachten wir, dass diese beiden Zentren recht gut ausgelastet sind, was durchaus sehr wichtig für eine positive Bilanz der Finanzen ist.
Um diese Termine gut zu bündeln, wird seit 2016 ein kleiner Schülerkalender erarbeitet, ein kleines und schönes Projekt, um das sich jedes Jahr ein paar Kinder und Jugendliche kümmern.
Darüber hinaus hat es Pfr. Klein immer gut verstanden, Leute für seinen Projekten zu begeistern. In erster Linie ist das seine Frau, Dr. Renate Klein, welche mit großer Kompetenz viele dieser aufgezählten Bereiche mitgestaltet hat. Seit 2008 arbeiten Ifa-Kulturmanagerinnen kontinuierlich an diesen Projekten. Christiane Neubert ist überall im Fogarascher Gemeindeverband unterwegs, nicht nur mit musikalischen Projekten. 15 Mitarbeiter sind im Gemeindeverband mit verschiedenen Aufgaben beschäftigt - für Infrastruktur und Küche, für Programme und in vielen anderen Bereichen, so dass die Professionalität und der laufende Betrieb gesichert werden. Die Fogarascher Kirche und der Gemeindeverband sind ein wichtiger Arbeitgeber in der Region geworden.
Seit vielen Jahren bringe ich mich in die überregionale Jugendarbeit ein und für die Arbeit des Jugendwerkes der evangelischen Kirche sind diese beiden Jugendzentren, Seligstadt und Bekokten sehr wichtig. Zu den Mitarbeitertreffen kommen vier- bis fünfmal im Jahr 60 bis 70 Leute zusammen, und es gibt nicht viele Häuser, wo so große Gruppen zu einem guten Preis unterkommen können. Im Jahr 2022 und 2024 fand in Bekokten auch der Jugendtag mit über 150 Leuten statt. Sehr gerne denke ich an diese Zeit zurück. Alles, was mit Pfr. Klein besprochen wurde, konnte gut umgesetzt werden, denn er setzt sich ein, ist ein findiger Mensch, der für jedes Problem eine Lösung sucht und meist auch findet.
So bin ich sehr froh, dass Pfr. Johannes Klein für die Honterusmedaille vorgeschlagen wurde. Ein paar eigene Begründungen will ich hier zum Abschluss aufzählen :
- Pfr. Klein hat ein Herz für die Jugendarbeit in Kirche und Forum.
- Er hat Verantwortung übernommen und diese auch in andere Hände gelegt, er hat nicht an seiner Position festgehalten.
-. Sein Lebenswerk ist ein wichtiger Beitrag für Schule/ Bildung und Glauben, diese beiden wichtigen Themen unsrer siebenbürgischen bzw. evangelischen Gesellschaft, was dem großen Namensvetter Johannes Honterus entspricht.
- Sein Leben ist geprägt von Innovation in vielen Bereichen, er hat ein waches Auge für die Veränderungen und hat darauf reagiert.
So wünsche ich dem Preisträger, dass er immer wieder Leute trifft, die ihm nach einigen Jahren danken. Wer Jugendarbeit macht, müht sich viel um Leute, die nach 1,5 oder 8 Jahren in die weite Welt gehen und vielleicht nur viel später realisieren, dass da jemand für sie da war in den wichtigen Momenten ihrer Entwicklung.
Wer Jugendarbeit macht, der trägt dazu bei, dass durch Gespräche, Programme, durch Zuwendung und Seelsorge, durch Ermutigung ein gutes Fundament im Leben von Kindern und Jugendlichen gelegt wird. Und solche Leute brauchen wir immer, so wird unsere Gesellschaft stark und resilient, offen und innovativ.“
Und hier noch ein Ausschnitt aus der Antwort des Ausgezeichneten: „Ich erinnere mich gerne an die Rüstzeit mit Pfr. Wolfgang Rehner sen. in Sfârucuța in den Westkarpaten Ende der 80er Jahre, wo wir von einer Wanderung zurückkamen und merkten, dass all unser Gepäck aus den Scheunen, wo wir untergebracht waren, rausgeworfen wurde. Einige Polizisten waren auch zum Gehöft gekommen, wo wir, d.h etwa 100 Personen, uns eine Woche aufhielten. Mehr als ein Drittel der Teilnehmer kamen aus der DDR, was sicherlich für die Polizisten suspekt erscheinen musste, da Kontakte mit Ausländern eingeschränkt waren und Jugendarbeit in anderen Räumen als der Kirche verboten war.
Pfarrer Rehner bat uns, dass wir uns zum Gemeinschaftsgebet sammeln, und er sollte sich um den Besuch kümmern. Mehr als zwei Stunden waren sie zusammen, es wurde gegessen und getrunken, Geschenke wurden verteilt. Und dann kam Pfr. Rehner zum Gemeinschaftsgebet, stimmte mit Lobsprüchen mit ein und schloss mit einem Vaterunser. Und dann sagte er uns, dass er fest daran glaube, dass Gebete erhört werden. Mich beeindruckte diese Verbindung von Glauben und realpolitischem Handeln zutiefst und prägte mich für das weitere Leben: Tun, was getan werden muss, und dennoch dahinter das Wirken Gottes sehen.
Es ist gut, dass wir nicht vergessen, dass es dem Staat im Kommunismus wichtig war, die Kinder und Jugendlichen zu einer marxistisch-materialistischen Weltanschauung zu führen. Wer eine andere Linie einschlug, riskierte viel, vielleicht sogar seine Freiheit. Pfr. Rehner hatte den Mut, Jugendliche zu sammeln; es gab Lieder und Bibelarbeit und offene Gespräche, und er wagte es, mit Jugendlichen für Jugendliche große und kleine Treffen zu organisieren. Er war für viele Jugendliche eine prägende Persönlichkeit.“




























































































































































