Stiftung Kirchenburgen feiert zehnjähriges Jubiläum in München


Das Rumänische Generalkonsulat in München unter der Leitung der Generalkonsulin Miheia Diculescu-Blebea war am 16. Juni Gastgeber des zehnten Geburtstages der Stiftung Kirchenburgen der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien (EKR), die sich um den Erhalt dieses kostbaren europäischen Kulturgutes kümmert.

Mit Grußworten, einer Podiumsdiskussion mit hochkarätigen Gästen, musikalischer Umrahmung durch Kristina Kato (Violine) und Eugen Mantu (Violoncello) sowie einem anschließenden Empfang bot der Abend ein dem Anlass angemessenes, würdiges Programm.

In ihren Begrüßungsreden outeten sich sowohl die Siebenbürgerin Miheia Diculescu-Blebea als auch die bayerische Aussiedlerbeauftrage Dr. Petra Loibl als große Anhängerinnen der Kirchenburgen. Sie warben dafür, Menschen für dieses einmalige europäische Kulturerbe zu begeistern, denn diese seien mitnichten „stille Steine“ und müssten für kommende Generationen gesichert werden. Der Bundesvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Rainer Lehni, versprach in seinem Grußwort, dass sich der Verband auch weiterhin für den Erhalt der Kirchenburgen einsetzen werde.

Der Bischof der EKR, Reinhart Guib, nutzte in seiner Ansprache die Gelegenheit, sich bei allen Sponsoren für die Unterstützung zu bedanken. Als ehemaliger Geschäftsführer der Stiftung ließ Philippp Harfmann die vergangenen zehn Jahre Revue passieren und erinnerte an den nicht ganz einfachen Start dieses Vorhabens. Ebenso würdigte er die Personen der Stunde Null, die sich mit großem Engagement um dieses Projekt kümmerten.

Im Mittelpunkt des Abends stand eine Podiumsdiskussion, die sich der Frage widmete, wie die siebenbürgischen Kirchenburgen langfristig erhalten, finanziert und mit neuem Leben erfüllt werden können. Die Moderatorin Dagmar Seck, Bundeskulturreferentin des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, hatte die Diskussion nicht als Rückschau angelegt, sondern sich darauf fokussiert, eher Perspektiven für die Zukunft aufzeigen.

Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, betonte gleich zu Beginn die besondere Verantwortung Rumäniens für die Kirchenburgen. Da diese zum nationalen Kulturerbe Rumäniens gehören, liege die Hauptverantwortung für ihren Erhalt beim rumänischen Staat. Deutschland könne unterstützen, begleiten und fördern, die Verantwortung jedoch nicht übernehmen. Gleichzeitig verwies Fabritius auf die Verpflichtung Deutschlands zur Pflege des kulturellen Erbes der Siebenbürger Sachsen. Grundlage hierfür sei der Paragraf 96 des Bundesvertriebenengesetzes, der Bund und Länder dazu verpflichte, das kulturelle Erbe der Vertriebenen zu bewahren und an kommende Generationen weiterzugeben.

Er machte deutlich, dass Kirchenburgen nur durch ein Zusammenspiel vieler Akteure erhalten werden können: staatliche Stellen, die evangelische Kirche, die siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft, lokale Initiativen sowie internationale Förderer. Allerdings warnte er davor, zu glauben, dass Kirchenburgen sich durch touristische oder wirtschaftliche Nutzung allein finanzieren könnten. Kultur koste Geld, und Denkmalpflege sei letztlich eine öffentliche Aufgabe. Besonders wichtig sei es daher, politisches Interesse zu wecken. Politiker müssten informiert und für den Wert der Kirchenburgen sensibilisiert werden. Dies geschehe durch Besuche vor Ort, Ausstellungen, persönliche Begegnungen und konkrete Projekte. Als Beispiel nannte er Veranstaltungen wie die Haferlandwoche, die „Magnetwirkung“ habe.

Cristian Cismaru, Geschäftsführer der Stiftung Kirchenburgen, schilderte seinen Ansatz, die Kirchenburgen über Tourismus und Nutzungskonzepte wieder stärker ins gesellschaftliche Leben einzubinden. Er versteht Tourismus nicht primär als Einnahmequelle, sondern als Instrument zur Wiederbelebung der Kirchenburgen. Menschen sollten die Anlagen nicht nur als historische Monumente wahrnehmen, sondern als Orte, an denen sie Zeit verbringen können: zum Wandern, Übernachten, Essen, Musikhören oder Lernen.

Cismaru sprach von einer Testphase, in der verschiedene Konzepte ausprobiert werden. Ziel sei es, Erfahrungen zu sammeln und daraus langfristige Nutzungsmodelle zu entwickeln. Erst wenn Menschen einen persönlichen Bezug zu den Kirchenburgen aufgebaut hätten, entstünden Bereitschaft zum Spenden und Engagement. Als erfolgreiches Beispiel nannte er das Programm „FortiVacation“ („Urlaub in der Festung“), das an frühere touristische Initiativen anknüpft. Während früher vor allem organisierte Fachreisen angeboten wurden, sollen heute verstärkt individuelle Besucher angesprochen werden.

Besondere Bedeutung misst Cismaru den sogenannten Transylvanian Brunches bei. Diese Veranstaltungen verbinden regionale Küche mit Denkmalpflege. Besucher zahlen einen Teilnahmebeitrag, von dem ein Teil direkt in lokale Projekte und die Stiftung fließt. Der eigentliche Wert liege jedoch darin, Menschen überhaupt in die Dörfer und Kirchenburgen zu bringen. Erst wenn sie die Orte erleben, seien sie offen für deren Probleme und Erhaltungsbedarf. Neben Kulinarik setzt die Stiftung auf Bildungsprogramme, Handwerkermärkte, Sportveranstaltungen und Familienangebote. Auch Laufveranstaltungen wie der „Heritage Run“ dienen nicht nur dem Erlebnis, sondern finanzieren konkrete Restaurierungsmaßnahmen.

Ein weiterer wichtiger Gedanke Cismarus betrifft neue lokale Gemeinschaften. In vielen Dörfern entstehen heute Netzwerke aus Heimatortsgemeinschaften, rumänischen Bewohnern, Zugezogenen aus den Städten, Denkmalpflegern und Unternehmern. Diese neuen Konstellationen könnten künftig Verantwortung für die Kirchenburgen übernehmen. Die Stiftung sehe ihre Aufgabe darin, Menschen zusammenzubringen, zuzuhören und praktische Kooperationen zu ermöglichen.

Dr. Heinke Fabritius, Kulturreferentin für Siebenbürgen, den Karpatenraum, Bessarabien und die Dobrudscha am Siebenbürgischen Museum in Gundelsheim, stellte die kulturelle Vermittlungsarbeit in den Mittelpunkt. Für sie sind die Kirchenburgen das bedeutendste materielle Kulturerbe der Siebenbürger Sachsen. Anders als bewegliche Kulturgüter können sie nicht „mitgenommen“ werden; deshalb müsse man neue Menschen dafür gewinnen, Verantwortung zu übernehmen. Heinke Fabritius identifizierte vier wichtige Zielgruppen: die ausgewanderten Siebenbürger Sachsen, die deutsche Mehrheitsgesellschaft, die deutsche Minderheit in Rumänien sowie die rumänische Mehrheitsbevölkerung, die jede auf unterschiedliche Weise angesprochen werden müsse.

In Deutschland setzt sie auf Reisen, Bildungsarbeit und Wissenschaftsvermittlung. Besonders wichtig seien Exkursionen mit Studierenden, etwa der Kunstgeschichte. Kirchenburgen seien nicht nur Bauwerke, sondern auch Forschungsorte für Sozial-, Religions- und Kunstgeschichte sowie europäische Kulturentwicklung. Sie berichtete von Kooperationen mit Universitäten, bei denen Studierende Seminar-, Master- oder sogar Doktorarbeiten über Kirchenburgen verfassen. Dadurch werde wissenschaftlicher Nachwuchs für das Thema gewonnen.

In Rumänien unterstützt Heinke Fabritius unter anderem Jugendprojekte und Festivals. Als Beispiel nannte sie das Holzstock-Festival in Holzmengen, bei dem junge Menschen aus verschiedenen Ländern in der Kirchenburg zusammenkommen. Solche Projekte schaffen persönliche Erfahrungen und langfristige Bindungen an die Region.

Fabritius betonte außerdem, dass jede Kirchenburg individuelle Lösungen brauche. Es gebe kein universelles Nutzungskonzept. Manche Kirchenburgen würden als Jugendzentren genutzt, andere als Kulturorte, Ausstellungsräume oder als Raum von anderen Kirchengemeinschaften. Entscheidend sei die Offenheit für neue Formen der Nutzung, ohne den historischen Charakter der Anlagen zu verlieren.

Ein zentrales Diskussionsthema war die Öffnung der Kirchenburgen für neue Nutzergruppen. Heinke Fabritius und auch Cristian Cismaru vertraten die Auffassung, dass die Öffnung unverzichtbar sei. Ohne neue Nutzer, Besucher und Unterstützer sei ein langfristiger Erhalt kaum denkbar. Gleichzeitig müsse jede Gemeinde ihren eigenen Weg finden.

Bernd Fabritius ergänzte, dass Kirchenburgen mehr seien als historische Gebäude. Für ihn verkörpern sie Gemeinschaft, Zusammenhalt und Identität. Deshalb dürften sie nicht zu beliebig nutzbaren Immobilien werden. Er sprach in diesem Zusammenhang von „Bruttoraumfläche“. Jede neue Nutzung müsse den besonderen Charakter der Kirchenburgen respektieren.

Cristian Cismaru erinnerte daran, dass die Europäische Union in den vergangenen Jahrzehnten einer der wichtigsten Förderer gewesen sei. Ein großer Teil der Restaurierungsmittel sei aus europäischen Programmen gekommen. Die EU sei damit faktisch einer der bedeutendsten Geldgeber im Bereich Kirchenburgen.

Die Diskussion machte deutlich, dass die Zukunft der Kirchenburgen auf drei Säulen ruht: öffentliche Verantwortung und Finanzierung durch Rumänien, Deutschland und europäische Institutionen; neue Nutzungskonzepte, die Leben, Besucher und Aufmerksamkeit in die Kirchenburgen bringen; Vermittlung und Bildung, um neue Generationen von Interessierten, Forschern und Unterstützern zu gewinnen. Als ein gemeinsames Fazit ließe sich sagen: Der Erhalt der Kirchenburgen gelingt nur durch Zusammenarbeit, Kommunikation und die Fähigkeit, Menschen für dieses kulturelle Erbe zu begeistern. Gute Gastgeber zu sein, Menschen einzuladen und ihnen die Bedeutung dieser Orte zu zeigen, wurde als einer der wichtigsten Wege in die Zukunft beschrieben.

Hans Königes