Pfarrertag: Perspektiven für die Kirchenburgen


Cristian Cismaru präsentiert auf dem Pfarrertag neue Nutzungskonzepte für die Kirchenburgen. Bild: hk

Das Thema Kirchenburgen stand im Mittelpunkt des Pfarrertags, der im Juni im Bischofspalais in Hermannstadt stattfand. In seinem Vortrag ging Bischof Reinhart Guib auf die Willkommenskultur in den siebenbürgisch-sächsischen Kirchen ein und betonte ihre doppelte Bedeutung: einerseits Schutzräume in Bedrohungszeiten zu sein und zugleich offene Orte für Fremde, Reisende und Bedürftige.

Diese Spannung zwischen Bewahrung der Identität und gelebter Offenheit prägte die Gemeinden seit dem 13. Jahrhundert. Nach der Reformation bildeten die biblische Gastfreundschaft („Der Fremdling soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer…“) und Luthers Verständnis von Kirche als Gemeinschaft aller Glaubenden das Fundament. Die vielzitierten Nachbarschaften der Siebenbürger Sachsen, gegenseitige Hilfe und multikulturelles Zusammenleben, formten eine Kultur der Offenheit.

Heute, 35 Jahre nach der starken Auswanderungswelle Anfang der 1990er Jahre, sind Kirchenburgen nach wie vor spirituelle Orte, einige davon entwickeln sich zu kulturellen Zentren, sind touristische Attraktionen,  die immerhin etwa eine Million Menschen anziehen. Bischof Guib betonte schließlich, dass Willkommenskultur immer auch eine geistliche Haltung bleibt: Schutz und Offenheit im Gleichgewicht mit einem Ort für Begegnung und Zusammensein.

Zur aktuellen Situation und möglichen Perspektiven für die Kirchenburgen äußerte sich dann Cristian Cismaru, Geschäfsführer der Stiftung Kirchenburgen. Er wies darauf hin, dass rund 85 Prozent der Restaurierungsgelder vor allem aus EU Mitteln stammen, dazu kommen Finanzierungen aus rumänischen und deutschen öffentlichen Mitteln, und etwa zehn Prozent betragen die privaten Spenden der ausgewanderten Siebenbürger Sachsen.

Zu den Kernaufgaben der Stiftung gehören Pflegeprogramme, Notmaßnahmen und größere Dach- und Strukturprojekte. Gleichzeitig entwickelt sie neue Modelle, um Kirchenburgen durch Tourismus und lokale Beteiligung zu beleben: Gästezimmer werden eingerichtet, Veranstaltungen, Samstag-Brunches angeboten, Handwerksprogramme und Bildungsangebote erstellt, so wie z.B. eine Schulwerkstatt. All diese Formate sollen dazu beitragen, dass sich rund um die Kirchenburgen eine neue Gemeinschaft bildet, die dieses wertvolle Erbe erhalten und nutzen will.

In einem dritten Vortrag stellte der Kunsthistoriker Martin Rill seinen neuen Bildband rund um die Landschaften, Dörfer und Kirchenburgen der Region Mühlbach und Unterwald vor. Mit großer Sensibilität fängt Rill die Schönheit dieser Kulturlandschaft ein. Die Fotografien verbinden Architektur, Natur und Alltagsmomente zu einem besonderen Porträt einer oft übersehenen Region.

Die Andacht hielt Pfarrer Andreas Hartig, die Moderation der einzelnen Vorträge mit den anschließenden Diskussionen übernahmen die Pfarrerinnen Angelika Beer und Hildegard Servatius-Depner, und Hauptanwalt Friedrich Gunesch hielt eine kurze und kurzweilige Laudatio auf Martin Rill und sein Wirken.

hk