Marlene Herberth als neue Leiterin des Kultur‑ und Bildungsbereich der Evangelischen Kirche in Rumänien vorgestellt


Bischof Reinhart Guib und die neue Leiterin der Abteilung Bildung und Kultur, Marlene Herberth, präsentierten die Pläne für diesen neuen Bereich der EKR.

Die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien hat einen bedeutenden Schritt zur Stärkung ihrer kulturellen und bildungspädagogischen Arbeit gesetzt: Marlene Herberth ist die Leiterin der neu gegründeten Abteilung für Kultur und Bildung. Die Vorstellung erfolgte Mitte Oktober im Rahmen einer Pressekonferenz und Vernissage.

Herberth, die mit ihrer Familie über zehn Jahre in Großschenk/Cincu gelebt und dort an die siebenbürgischen Wurzeln ihrer Familie angeknüpft hat, betonte ihr ihrer Vorstellung: „Unsere Aufgabe ist es, die Tradition der Kirche fortzuführen, die Kultur und Bildung stets als eine Einheit gesehen hat. Wir wollen unsere Aktivitäten bündeln und eine stärkere Präsenz in der Gemeinschaft zeigen.“

Im Zentrum ihrer Vision steht die Frage, wie das reiche Kulturerbe Siebenbürgens für junge Menschen lebendig bleiben kann. „Wir müssen Wege finden, damit Kirchenburgen, Archive und historische Orte nicht nur bewahrt, sondern auch verstanden und neu entdeckt werden“, so Herberth.

Bereits jetzt führen das Teutsch-Haus und die Stiftung Kirchenburgen Bildungsprogramme in siebenbürgischen Ortschaften durch.  Und im Rahmen der Initiative  „Școala Altfel“ („Schule anders“), in der Schüler durch unterschiedlichste außerschulische Aktivitäten über den  Tellerrand ihrer Wissensgebiete schauen dürfen, haben sich bereits schon elf Schulen im Teutsch-Haus angemeldet. In Zusammenarbeit mit der Universität Babeș‑Bolyai aus Klausenburg zum Beispiel erkunden Schülerinnen und Schüler mittels digitaler Anwendungen historische Objekte wie Nachbarschaftstafeln oder bemalte Truhen.

Wichtig ist der neuen Leiterin, das kritische Denken bei den Schülern zu wecken, wobei sie auf eine wenig erfreulich Studie hinweist.  Eurostat‑Daten sollen zeigen, dass nur 16 Prozent der rumänischen Jugendlichen Informationen im Internet überprüfen, europaweit sollen es immerhin knapp über ein Drittel sein. „Wir haben eine Generation, die Inhalte übernimmt, ohne sie zu hinterfragen. Unsere Aufgabe ist es, die junge Generation zu ermutigen, nach Herkunft, Autorität und Legitimation von Informationen zu fragen“, erklärt Herberth.

Sie möchte zudem die Verbindung zwischen Archivobjekten und zeitgenössischer Kunst stärken. „Wir brauchen innovative museale Konzepte, damit Menschen jeden Alters wiederkommen.“ Ein Beispiel sei die gemeinsam mit dem  Brukenthal-Museum kuratierte Ausstellung zur Geschichte der sächsischen Bildung, ergänzt durch Beiträge international anerkannter Künstler wie Dragoș Bădiță, Alex Bodea, Florin Magda, Emilian Pospai und Nicoleta Radu.

Herberth sieht ihr Haus mit seinem großen Archiv und  dem sehr gut ausgestatteten landeskirchlichen Museum zudem als zukünftigen Ort für junge Forscherinnen und Forscher, Studierende der Archivistik, Geschichte und Restaurierung sowie auch als Treffpunkt für Künstler: „Wir möchten eine offene Plattform schaffen, die das von uns betreute Erbe durch neue Perspektiven sichtbar macht.“

Die Neustrukturierung der Kirche umfasst fünf strategische Bereiche, wobei Kultur und Bildung eine zentrale Rolle erhalten, wie Bischof Reinhart Guib in seiner Rede unterstrich. Dabei sollen Synergien geschaffen werden zwischen dem Teutsch-Haus, dem kircheneigenenen Schülerheim und der Stiftung Kirchenburgen. Die Reform folge dem protestantischen Prinzip Ecclesia semper reformanda: Eine lebendige Kirche lernt und entwickelt sich im Dialog mit einer sich wandelnden Gesellschaft weiter, wie Bischof Guib betonte.

Die neue Leiterin des Teutsch-Hauses ist Anthropologin, Kuratorin und bildende Künstlerin. Ihre Arbeiten wurden unter anderem bei der Vienna Design Week, im Textile Arts Center New York, bei der Romanian Creative Week, im Brukenthal‑Museum und beim Internationalen Theaterfestival in Hermannstadt gezeigt. Sie ist in Bukarest geboren, studierte unter anderem in London und München, lebte 13 Jahre im Haus ihrer Großmutter in Großschenk, von wo aus sie unterschiedlichste anspruchsvolle, künstlerisch-museale Projekte umsetzte, vor allem mit dem Schwerpunkt der Erforschung und Bewahrung des sächsischen Kulturerbes. In ihrer neuen Funktion wird sie nun die kulturellen und pädagogischen Programme ihres Hauses koordinieren, thematische Ausstellungen im Museum organisieren und Kooperationen mit kulturellen, akademischen und zivilgesellschaftlichen Partnern ausbauen.

Im Anschluss wurde die Ausstellung „Woher weißt du das? / De unde știi? – Über Bücher, Bilder und Belege“ eröffnet, die bis zum 28. November 2026 besucht werden kann. Sie bringt, wie es Marlene Herberth schon auf der Pressekonfernez formulierte,  Manuskripte, Bücher und historische Dokumente aus dem Archiv und dem Kulturerbe der Evangelischen Kirche mit Werken zeitgenössischer Kunst in einen lebendigen Dialog.

Das Projekt ist inhaltlich mit der Ausstellung „Ca la carte!“ des Brukenthal-Museums verbunden und zeigt, wie Informationen – früher wie heute – ausgewählt, interpretiert und weitergegeben werden. Ziel der Ausstellung ist es, Besucherinnen und Besuchern jeden Alters und Bildungsstands Anknüpfungspunkte zu bieten, um die Beziehung zwischen Information und Wissen besser zu verstehen.

Hk