Eindrücke des Ökumenesemesters: Keine Angst vor schrumpfenden Gemeinden


Acht Studentinnen und Studenten aus Deutschland nahmen am diesjährigen ökumenischen Semester in Hermannstadt teil und besuchten auch einige sonstige geistliche Zentren - wie hier die Stadtpfarrkirche in Mediasch.

Von Anfang März bis Ende Juni 2026 durften wir, acht evangelische Theologiestudierende aus unterschiedlichen Teilen Deutschlands, in Hermannstadt leben und am Ökumenesemester teilnehmen. Wir waren ein Jubiläumsjahrgang, da das Ökumenesemester zum zehnten Mal so stattfinden konnte. Das vielfältige Programm, das von Alexandru Ionița mit sehr viel Hingabe für uns organisiert wurde, bot uns nicht nur Seminare zu Ökumene oder orthodoxer Liturgie, sondern auch eine Menge Praxiserfahrung.

Ein Höhepunkt war für viele der Ikonenmalkurs, in dem wir nach byzantinischer Technik unsere eigene Ikone malten. Außerdem lernten wir Lieder aus der orthodoxen Liturgie auf Rumänisch singen, was uns trotz unserer sonst eher begrenzten Sprachkenntnisse viel Freude bereitete. Doch auch die wöchentlichen Exkursionen waren eindrucksvoll, da wir dadurch Siebenbürgen und seine Kirchenburgen besser kennenlernten.

Mich persönlich beeindruckte immer wieder, wie einzelne evangelische Geistliche oder Gemeinden nach dem Motto „Kleiner werden ist keine Katastrophe“ (Pfarrer Gerhard Servatius-Depner) handeln und Glaubensräume durch Zusammenhalt und soziales Engagement prägen. Davon können wir uns in Deutschland eine Scheibe abschneiden und schrumpfende Gemeindezahlen nicht nur mit Sorge, sondern auch mit Zuwendung und Ermutigung betrachten.

Doch einen wichtiger Studienschwerpunkt bildete natürlich die Orthodoxie. Da ich direkt neben der Kathedrale in der Innenstadt gewohnt habe, klingen mir die Gesänge und Liturgien nun vertrauter als noch zu Beginn. Es war einzigartig, die Osternacht mitzuerleben. Im Juni durften wir zwei Wochen an der orthodoxen Fakultät in Bukarest studieren, wodurch wir uns nochmals intensiv mit aktuellen Themen der orthodoxen Theologie und Kirche beschäftigten und viele unterschiedliche Stimmen des rumänisch-orthodoxen Lebens zu hören bekamen.

In Hermannstadt selbst verbrachten wir unsere Freizeit damit, im Chor der Stadtpfarrkirche mitzusingen, die schöne Umgebung bei gutem Wetter wandernd zu erkunden (natürlich mit äußerster Vorsicht, da wir mehrfach vor Bären gewarnt wurden) oder Gottesdienste unterschiedlicher Konfessionen zu besuchen, um die Ökumene zu erleben.

Nach diesen intensiven vier Monaten, in denen mir die Notwendigkeit der Ökumene besonders klargeworden ist, fiel der Abschied nicht leicht. Ich bin mir sicher, dass das nicht mein letztes Mal im schönen Siebenbürgen war. Bis zu einem Wiedersehen bleibt mir nur zu sagen: „Doamne ajută!“

Anna Trende