„Demut befreit und verändert Perspektive“


Pfr. Adriana Florea, Kronstadt (Foto: zVg)

Geistliches Wort für Mittwoch der Woche Laetare zu 1. Petrus 5,5 – von Pfrn. Adriana Florea

„Alle aber miteinander bekleidet euch mit Demut; denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ (1. Petrus 5, 5)

Liebe Schwestern und Brüder!

Der Verfasser des Ersten Petrusbriefes richtet seine Worte an verschiedene Gemeinden, die unter Verfolgung und Diskriminierung leiden. Sein Rat für sie ist: Seid demütig und habt Vertrauen in Gott! Er sorgt für euch! Gott wird schließlich aufrichten, stärken, kräftigen.

Alle aber miteinander bekleidet euch mit Demut“ sagt aus, dass Demut sich in Beziehungen entfaltet; zu anderen und zu sich selbst. Somit ist sie keine Eigenschaft, sondern eher eine Haltung, die wir als Christen einnehmen. Wir könnten also sagen “Lasst euren Umgang miteinander von Demut geprägt sein.“

Für manche ist diese Haltung gleich zu setzten mit Minderwertigkeit, mit Unterlegen sein. Doch bei der Demut geht es nicht darum, dass jemand einem anderen überlegen oder unterlegen ist, sondern darum, dass wir uns in dienender Haltung begegnen. Ein demütiges Verhalten hat gar nichts damit zu tun, sich alles gefallen lassen, umso mehr als Christ. Nein! Mit dieser unserer Haltung bekennen wir: Ich bin auf Gott angewiesen. Von seiner Gnade, von seiner Zuwendung lebe ich. Dieses zu wissen und in Dankbarkeit zu empfangen, was Gott mir gibt, das ist rechte Demut.

Das gilt besonders auch in schwierigen Situationen. Mit Demut und Vertrauen nehmen wir an, dass Er auch in unbekannten, unsicheren Situationen auf mich sorgt. Wir erkennen, dass ein gelingendes Leben unabhängig ist von allen materiellen Dingen, von allem menschlichen Erfolg, von Streben und Anerkennung. Das wird uns in diesen Tagen immer klarer bewusst. Denn gelingendes Leben meint das Vertrauen in Gott, in das Gehaltensein durch ihn und in ihm. Leben ist tiefer, als wir es äußerlich sehen. Wir spüren, wie sich diese Tage etwas verändert: unsere Perspektive, unsere Maßstäbe. Es zählt nicht mehr das Äußerliche. Jesus Christus hat alles verändert. Er ist und war in den Schwachen mächtig. Den Ausgestoßenen hat er sich zugewendet. Er selbst ist nicht Leid und Kreuz und Tod ausgewichen, sondern hat alles durchlebt – in großer Demut – und hat überwunden. Weil im Mittelpunkt unseres Glaubens der demütige Gott steht, Jesus Christus, können wir voller Demut alle unsere Sorgen auf ihn werfen in dem Vertrauen, dass er für uns sorgt und schließlich uns aufrichtet und stärkt.

Solches Leben schenkt Freiheit in und für all unser Tun, denn wir sind gehalten und getragen von Gott. All unsere Sorgen können wir getrost auf ihn werfen, denn wir leben aus dem Vertrauen: Er sorgt für uns! Welch´ ein Geschenk! Amen.

Lieber Vater im Himmel, zu dir dürfen wir in Freude und im Leid rufen. Wir danken dir, dass du uns nicht verlässt, auch in schweren Zeiten nicht. In Demut wollen wir unser Leben führen und uns unter deine Hand setzen, sodass du uns erhöhst zur rechten Zeit.

Amen.

Gesegnete Tage!

Pfrn. Adriana Florea (Kronstadt)

Lieder: Oceans; Lege deine Sorgen nieder (YouTube)