12. „Runder Tisch“ der EKR – die besondere Herausforderung bei der Wiedereingliederung von Straffälligen


Der Theologe Dr. Thomas Pitters gestaltete den inhaltlichen Teil des 12. Runden Tisches der EKR. Bild: hk

Beim „Runden Tisch“, einem Dialog- und Begegnungsforum der EKR zu Sozialfragen, geleitet von kirchlichen Migrationsreferentin Erika Klemm, trafen sich Mitte Oktober, im Tagungshaus der Evangelischen Akademie in Neppendorf bei Hermannstadt etwa 40 Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Sie kamen, meistens in Leitungspositionen im Sozialbereich, aus verschiedenen Landkreisen (judeţe). Dass die EKR den Runden Tisch mittlerweile zum 12. Mal  organisiert, zeigt, wie groß der Bedarf hierzulande ist, sich über soziale Fragen zu informieren, mit anderen aus dieser Sparte ins Gespräch zu kommen, oder auch gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Der „Runde Tisch“ in diesem Herbst 2026 hatte zum Thema: Die Wiedereingliederung straffällig gewordener Menschen in die Gesellschaft – unter der besonderen Berücksichtigung von Jugendlichen und den Opfern von Prostitution. Das Hauptreferat hielt Dr. Thomas Pitters, Gastprofessor an der Lucian Blaga-Universität. Er konnte dabei auf seine langjährige Tätigkeit im Justizbereich in Österreich zurückgreifen. Seine Ausführungen umfassten folgende Schwerpunkte:

1. Ausgangspunkt war ein Buch von Michel Foucault „Überwachen und Strafen – die Geburt des Gefängnisses“. In diesem thematisch bahnbrechenden Werk beschreibt der Sozialphilosoph Foucault die Entwicklung von der körperlichen Strafe hin zur Gefängnisstrafe – mit dem Ziel, die der Umerziehung und der Reintegration der Deliquenten.

2. Im zweiten Punkt ging der Referent auf das Thema der Schuld ein, wobei er unterstrich, dass es laut dem modernen theologischen Verständnis neben der individuellen Schuld „ immer auch die strukturelle Sünde gibt“, wie er sagte, bei der ganze Gemeinschaften oder Systeme in Unrecht verstrickt sind.

3. Der dritte Teil der Ausführungen war dem Thema der Strafe gewidmet. „Strafe bringt die Waage der Gerechtigkeit wieder ins Gleichgewicht und kann läuternd wirken“, so der Referent. Dadurch werde der (oder die) Bestrafte bereit, sich wieder in die Gesellschaft einzufügen.

4. Weiteres Thema war die Wiedereingliederung mit all ihren besonderen Herausforderungen. Pitters wies dabei darauf hin, dass es eine Fülle von Maßnahmen gebe, die den haftentlassenen Menschen auf die Resozialisation vorbereiteten. „Aber auch eine Gesellschaft muss zur Wiederaufnahme bereit sein“, fordert Pitters.

5. Schließlich wurde es nochmals theologisch – denn das Thema Vergebung und Versöhnung kam zur Sprache. Dieses behandelte der Theologe am Beispiel des Gleichnisses vom verlorenen Sohn (Lukas 15), um aufzuzeigen, wie wichtig auch dieser Aspekt ist, wenn es um die Integration von Strafffälligen in die Gesellschaft geht.

Am Nachmittag fand dann noch eine Diskussionsrunde statt, in der die sechs Podiumsmitglieder, alles Fachleute aus dem Sozialbereich,  je einen Fall aus ihrer Praxis schilderten, bei welchem es  um Wiedereingliederung ging. Die Teilnehmer der Runde berichteten vor allem von den Herausforderungen, die damit im Zusammenhang stünden und erinnerten daran, dass die Rückfallquote sehr hoch sei und besondere Anstrengungen nötig seien.

Die rege Beteiligung an den Diskussionen zeigte, wie wichtig es den Teilnehmern war, sich über dieses Thema austauschen zu können. „Hier leistet die EKR einen wertvollen Beitrag zum sozialen Dialog, der nicht hoch genug eingeschätzt werden kann!“  betonte Referent Pitters.

Hk