Für den Frieden im Großen beten, für die Zufriedenheit im Kleinen sorgen - Statement der EKR zum 4. Jahrestag des Angriffs auf die Ukraine


Auf den Spuren sächsischer Kultur (Land und Leute kennenlernen) – Ausflug mit ukrainischen Gästen des Elimheims Michelsberg nach Birthälm im Jahr 2022 unter der Leitung von Pfarrerin Bettina Kenst.

Vor vier Jahren, am 24. Februar 2022, erschütterte uns die Nachricht vom Angriff Russlands auf die ukrainische Hauptstadt und vom Einmarsch bewaffneter Truppen in unser Nachbarland. Sofort machten sich Mitglieder unserer Kirchengemeinden und die Kirchenleitung der EKR (Evangelische Kirche A.B. in Rumänien) Gedanken, wie den aus dem Kriegsgebiet fliehenden Menschen in Rumänien geholfen werden kann.

Diese Unterstützung hält an und hat sich von Soforthilfen in ein  langfristiges Engagement und in zukunftsweisende Vorbereitungen für den Frieden gewandelt. Im Folgenden werden Initiativen von Kirchengemeinden und Programme der Landeskirche vorgestellt. 

Nach mehreren Friedensgebeten im öffentlichen Raum in Hermannstadt im ersten Jahr des Krieges, finden weiterhin regelmäßig jeden Freitag um 12 Uhr Friedensgebete in der Mediascher Margarethenkirche statt. Im ehemaligen Schulgebäude in Hammersdorf (Gemeindeverband Hermannstadt) wurde Schulunterricht auf Ukrainisch erteilt und nun werden in Räumen des Stadtpfarramtes Gesprächskreise zum Einüben der rumänischen Sprache angeboten, da die Menschen aus der Ukraine merken, dass es länger dauert, bis sie wieder in ihrem Land leben können und sich hier gerne besser verständigen möchten.

In Häusern der Kirchengemeinden in Fogarasch, Kronstadt und Wolkendorf wurden vor vier Jahren Menschen untergebracht, die aus der Ukraine nach Rumänien geflohen sind. Ebenso in den landeskirchlichen Erholungsheimen in Michelsberg und Wolkendorf. Bis zu 80 Personen konnten so eine Zuflucht finden. Im Michelsberger Elimheim leben noch acht Personen, unter ihnen die 79-jährige Valentyna aus Mykolajiv in der südlichen Ukraine.

Die verwitwete Frau kam mitsamt ihrer Katze über Odesa nach Rumänien und obwohl sie bis zur Rente als Bauingenieurin gearbeitet hat, könnte sie sich von ihrer ukrainischen Rente keine Mietwohnung leisten. Im Elimheim bringt sich Valentyna ein, indem sie täglich Blumen gießt und Dekorationsartikel herstellt, die bei Handarbeitsbasaren und im hauseigenen Laden angeboten werden. „Ich bin hier wie in einer großen Familie, ich fühle mich sicher, aufgehoben und aufgefangen“, sagt sie.

Diese Unterbringung konnte und kann gewährleistet werden:  durch Fördergelder der Diakonie Katastrophenhilfe und des Lutherischen Weltbundes, von Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), dem Gustav-Adolf-Werk der EKD und anderen kirchlichen und diakonischen Partnern sowie aus Eigenmitteln der Landeskirche und der Ruhegehalts- und Unterstützungskasse, aber auch aus einer Kollekten- und Spendenaktion der Kirchengemeinden und der Mitarbeitenden der Kanzlei und der landeskirchlichen Einrichtungen.

Wie in einer neuen Familie fühlen sich auch junge Menschen aus der Ukraine, deren Studium in Rumänien seit 2023 mit einem Stipendium von „Brot für die Welt“ gefördert wird. Mittlerweile konnten 43 Studierende von diesem Stipendienprogramm profitieren. Sie studieren an staatlich anerkannten Universitäten im ganzen Land (Bukarest, Kronstadt, Jassy, Klausenburg, Temeswar, Oradea, Karlsburg und Hermannstadt) und bereiten sich mit ihren Studiengängen auf die Zukunft vor.

Die meisten Studiengänge sind auf Rumänisch, einige auf Englisch. Darunter sind etwa Architektur, Pharmazie, Politikwissenschaften, Ingenieurswesen, Informatik, Sprachen, Theologie, European Master in Children's Rights, Mechatronik, Wirtschaftswissenschaften oder Psychologie. Lauter Bereiche, die in Zeiten des Krieges im eigenen Land junge Menschen im Nachbarland ausbilden, um gestärkt und befähigt zu werden, die Zukunft friedvoll zu gestalten. Ein junger Mann zum Beispiel, der im Alter von 17 Jahren aus der Ukraine geflohen ist, absolviert demnächst in Jassy einen Ingenieurstudiengang.

Neben den Einzelstipendien gibt es für Mütter mit Kleinkindern die Möglichkeit eines Familienstipendiums. Zum Beispiel für Mütter, die ohne Ehemänner hier in Rumänien leben oder eine ukrainische Stipendiatin, deren russischer Mann in ein anderes Land geflohen ist und dort eine gemeinsame Zukunft vorbereitet. Die Stipendiatin lebt mit der kleinen Tochter in Bukarest, studiert Architektur und möchte nach ihrem Abschluss zu ihrem Ehemann ziehen. Eine andere Stipendiatin ist 20 Jahre alt. Sie ist ohne ihre Eltern nach Rumänien gekommen, wohnt in einem Studentenwohnheim und ist froh über die Unterstützung.

Das Stipendienprogramm wird von der Kanzlei des Landeskonsistoriums des EKR verwaltet und ausgeführt und konnte bereits 13 Studierenden zu ihrem Abschluss verhelfen.

Zudem wurden Rumänischkurse gefördert, um die Sprache zu lernen, und Kindern wurde die Teilnahme an der Kinderuni in Bekokten ermöglicht, die von der Kirchengemeinde Fogarasch durchgeführt wird. Auch psychosoziale Betreuung und Rechtsberatung wurde und wird bis heute angeboten und gerne angenommen.

Auch Angebote des landesweiten ökumenischen Hilfsvereins AIDRom (Asociația Ecumenica a Bisericilor din România) im rumänischen Grenzgebiet zur Ukraine wurden unterstützt.

Dem Bischof der EKR, Reinhart Guib, ist es wichtig, Menschen zu stärken, die sich kriegsbedingt plötzlich ein neues Leben aufbauen mussten: „Unser Gebet um Frieden für die Ukraine, vier Jahre nach Kriegsbeginn, bringen wir vor Gott als Anliegen unserer Kirche, Gemeinden und Herzen. Wir sind da mit Wort und Tat, um den geflüchteten Menschen aus der Ukraine geschwisterliche Liebe und Hilfe zu vermitteln und danken allen, die uns dabei unterstützen. Gott segne und erhalte uns alle nach dem Reichtum seiner Gnade.“ 

In der Hoffnung, dass der Krieg in unserem Nachbarland bald ein Ende findet, wird sich die EKR weiter für Frieden engagieren und für die Vorbereitung von friedlichen Zeiten.