Neujahrsempfang des Bischofs: Rückblick und Ausblick unter der Jahreslosung: Siehe, ich mache alles neu


Bischof Reinhart Guib (stehend) bei seiner Neujahrsansprache. Links davon Forumsvorsitzender Dr. Paul Jürgen Porr, Bischofsgattin Henriette Guib und Landeskirchenkuratorin Dr. Carmen Schuster.

Anlässlich seines Neujahrsempfangs ließ  Bischof Reinhart Guib das vergangene Jahr Revue passieren und ging auch auf die Vorhaben und Pläne für dieses Jahr ein. Ausschnitte beziehungsweise eine leicht gekürzte Version seiner Ansprache können Sie nun hier lesen.

„Ich heiße euch von Herzen willkommen zum Neujahrsempfang 2026 in unserem Bischofshaus...  Herzlichen Dank für all die guten Wünsche die ihr mir und meiner Familie, sowie unserer evangelischen Gemeinschaft überbracht habt. Gute Wünsche sind immer willkommen. Sie zeigen an, dass wir das vorige Jahr mit seinen Wegen, mindestens ein Stück weit gemeinsam gegangen sind.

Da darf nochmals Dankbarkeit zu Gott aufkommen für viele Feste und Begegnungen, die uns geschenkt waren, für die 30 Jahre Frauenarbeit, das 50-Jahre-Jubiläum des Weltgebetstags, 1600 Jahre seit dem ersten ökumenischen Konzil von Nicäa, die Gründung von zwei eigenständigen Gemeinden – Deutschweißkirch und Großpold - und einem neuen Gemeindeverband, dann auch die Umsetzung des Jahresthemas „Demokratie“ vor der Präsidentschaftswahlen, die Fortführung der landeskirchlichen Strategie, die Ordination von vier neuen Pfarrern, die Gemeindewahlen mit neugewählten Kuratoren, Presbytern und Gemeindevertretern, die Zusage des Deutschen Bundestages für eine erneute Förderung der Kirchenburgenstiftung der EKR.

Für das Schwere - das 80-Jahre-Gedenken der Russlanddeportation und der Tod des Kronstädter Bezirkskirchenkurators, sowie Trennung und Abschied von manchen Mitarbeitenden durften wir die Kraft und den Trost Gottes erfahren, und auch dafür können wir ihm danken.

Gute Wünsche sind immer willkommen. Besonders auch am Anfang eines neuen Jahres, eines neuen Weges.  Alles was ihr wollt, möge in Erfüllung gehen, so könnte ich auch wünschen. Ob das aber so auch zutreffen wird?

Eine Geschichte erzählt: Ein junger Mann betrat im Traum einen Laden. Hinter der Theke stand ein Engel. Er fragte diesen: „Was verkaufen Sie, mein Herr?“ Der Engel antwortete freundlich: „Alles, was Sie wollen.“  Der junge Mann begann aufzuzählen: „Dann hätte ich gerne das Ende aller Kriege in der Welt, bessere Bedingungen für die Randgruppen der Gesellschaft, Beseitigung der Elendsviertel, Arbeit für alle Menschen, mehr Gemeinschaft und Liebe in der Kirche und… und…und…“ Da fiel ihm der Engel ins Wort: „Entschuldigen Sie, junger Mann, Sie haben mich falsch verstanden. Wir verkaufen keine Früchte, wir verkaufen nur den Samen.“

Vielleicht habt ihr euch gefragt, was das soll, mit den am Eingang erhaltenen Blumensamen. Für ein buntes und schönes Blumenbeet oder Garteneck dürfte das Päckchen ausreichend sein. Es möge euch über Säen, Wachsen und Blühen im Frühling und Sommer Freude bringen. Es kann uns in diesem Jahr auch daran erinnern, dass wir für das Säen und Pflegen von so manchem mitverantwortlich sind, aber gleichzeitig auch den Druck nehmen, dass wir auch für die Früchte zuständig sind.

Es wird auch 2026 so manches Neues zu säen und pflegen sein: Angeregt durch das Jahresthema Gemeindeverband als Gemeinschaftsform der Zukunft in der EKR, wird das Informieren und Werben für die Gründung weiterer Gemeindeverbände Priorität haben, denn wir wollen der Gemeinschaft in unseren Strukturen weitere neue Chancen eröffnen.

Beim Landeskonsistorium werden neue Abteilungsleitende in den neugegründeten Bereichen Einladende Kirche sein - Geistliches, Diakonie, Bildung und Kultur, Management, auch weitere geistliche wie weltliche hauptamtlich Mitarbeitende im Landeskonsistorium werden auf andere Stellen wechseln oder in Rente gehen, und neue Mitarbeitende sind zu suchen.

Gott segne alle für ihren langjährigen Dienst, Petra Stöckmann-Kothen, Bettina Kenst, die schon zum Jahresanfang nach Deutschland bzw. Agnetheln wechseln werden, sowie Gerhild Rudolf und Heidrun König in der zweiten Jahreshälfte, die  sich in den Ruhestand verabschieden.

In diesem Jahr wird Neues werden, wohl auch durch die anstehenden Wahlen in den Bezirken und auf Landeskirchenebene. Zudem wird uns die Novellierung und Aktualisierung der Kirchenordnung auf allen Ebenen beschäftigen. Die Kirchenburgenstiftung kann nun nach der zugesagten Förderung seitens der Bundesrepublik neue Projekte zur Rettung von Kirchenburgen planen und durchführen. Das ZETO wird im März zum Dies Academicus mit Rundem Tisch viele Partnergäste empfangen. Im Sommer sind vielfache Begegnungen mit den Partnerkirchen geplant.

Die Haferlandwoche sowie das Sachsentreffen, das erstmalig in einer Kleingemeinde, Schönau, stattfinden wird, werden uns als Gemeinschaft untereinander und mit anderen Gästen, Freunden und Partnern zusammenbringen. Auch werden wir ein schönes Jubiläum feiern: Das 2006 neugegründete Jugendwerk begeht seinen 20. Geburtstag.  In diesem allem sind wir gefragt mit unserem Einsatz den Unterschied zu machen.

Darüber hinaus wird gewiss noch weiteres Neues auf uns zukommen, das wir nicht in der Hand haben, seien es die sich mehrenden Friedensbedrohungen, die politischen, wirtschaftlichen, digitalen, werteverändernden Herausforderungen auf Weltebene, in Europa und im Land oder auch auf persönlicher Ebene.

Die Jahreslosung mit dem Wort Gottes „Siehe, ich mache alles neu“ mutet uns auch zu, bei allem was wir neu beginnen und das neu auf uns zukommt, gelassen das Anno Domini 2026 anzugehen. Gott sei Dank müssen nicht wir alles neu machen. Das Wesentliche, unser Heil und unsere Zukunft,  dürfen wir getrost dem Einen überlassen, der sie am Stamm des Kreuzes für uns erstritten hat, Jesus Christus.

Über allem dürfen wir uns, unsere Gemeinschaft und Kirche, unser Land, unser Europa und unsere Welt dem Herrn der Schöpfung anvertrauen, denn Er und kein anderer hat uns alle in seiner Hand. So helfe uns Gott. Er schenke und segne uns das Jahr 2026.“