Karfreitag: Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab


"Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab"

Der Karfreitag hat seinen Namen von dem althochdeutschen Wort Kara, die Klage, die Trauer, der Kummer. All das sehe ich heute zusammen:

  • die Klage dessen, der ruft „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“;
  • den Kummer der Mutter und der anderen Frauen, Zeuginnen eines gewaltsamen Todes,
  • die Klage vieler Menschen über die Schrecklichkeit solchen Sterbens an einem Kreuz.

Du fragst vielleicht was es bringt, das Kreuz Jesu zu betrachten. Vielleicht dies:

Du stellst dich bewusst in eine jahrhundertalte Tradition und verbindest dich mit den Menschen vor dir und neben dir. Menschen, die die Ereignisse dieser Woche durch sich hindurchziehen liessen / lassen. Denn – so sagt es einer meiner Lehrer – es könnte für deinen eigenen Leidensweg, der dir eines Tages bevorstehen könnte, entscheidend sein, ob er auch etwas Befreiendes, etwas Erlösendes an sich haben kann oder nicht. Ob dieser Weg auf einen Ostermorgen zuläuft oder nicht. Ob das Leiden vielleicht gar für andere einen tröstlichen Sinn gewinnen kann oder nicht.

Wenn du das Kreuz betrachtest, siehst du Jesus Christus an. Und verbindest dich vielleicht über einen großen zeitlichen Abstand hinweg mit ihm. Mit dem, der die Kraft Gottes unter den Menschen ins Spiel bringt und der die Kraftlosigkeit der Schwachen leidet. Mit dem, der weitreichende Ziele hat und dem Opfer aller seiner Pläne nicht weicht. Mit dem, der die Rolle eines machtvollen Kämpfers verweigert, statt dessen sich der Gewalt beugt. Mit dem, der Er ist: ein einfacher Mensch vor einem großen Hintergrund.

Elfriede Dörr