Eine Million Besucher in den Kirchenburgen, ein Prozent mehr Mitglieder


Der Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, Reinhart Guib, und der Geschäftsführer der Stiftung Kirchenburgen, Cristian Cismaru, präsentierten ihre diesjährigen Vorhaben auf der Frühjahrspressekonferenz. Bild: hk

Eine positive Bilanz ihrer bisherigen Aktivitäten zogen der Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, Reinhart Guib, und der Geschäftsführer der Stiftung Kirchenburgen, Cristian Cismaru, auf ihrer Frühjahrspressekonferenz, die diesmal in Heltau stattfand.

In seiner Bilanz verwies der Bischof auf einige positive Entwicklungen hin, die das Leben in der EKR kennzeichnen. So stieg die Zahl der Kirchenmitglieder das zweite Jahr in Folge um einen Prozent auf 10.883. Natürlich setzte der Bischof die Zahl in eine realistische Beziehung, als er erwähnte, dass es vor dem Zweiten Weltkrieg noch über eine halbe Million Mitglieder waren.

Es gehe um einen positiven Trend, wie er betonte, und man beobachte sehr wohl ein gestiegenes Interesse von ausgewanderten Siebenbürger Sachsen, die nun zum Beispiel als junge Rentner zurückkehrten und sich in dieser kleinen Gemeinschaft, in der sie sich gut aufgehoben fühlen, engagieren wollen. Es sind aber auch Mitarbeiter von internationalen Konzernen und junge Familien, die in Siebenbürgen eine Bleibe finden. Als Beispiel nannte er Michelsberg, vor den Toren von Hermannstadt, wo sich eine internationale Gemeinschaft mit vielfältigen Aktivitäten etabliert hat.

Erfreulich ist auch das Interesse am kulturell-historischen Erbe, den Kirchenburgen. Rund eine Million Gäste besuchten diese einzigartigen historischen Monumente, rund 160 an der Zahl, von denen allerdings etwa 40 nicht mehr geöffnet sind und für weitere 40 eher unregelmäßige Besuchszeiten existieren – je nach Engagement der lokalen Bevölkerung, wie der Geschäftsführer der Kirchenburgenstiftung Cismaru hinwies.

Gemeinsam mit seiner Kollegin Andreea Mănăstirean stellten sie das diesjährige Programm der Stiftung vor, in erster Linie mit dem im vergangegen Jahr sehr erfolgreich gestarteten Format der Transilvanian Brunches, in der es um eine Wiederbelebung der Kirchenburgen im ländlichen Raum geht. Neu im Angebot werden sogenannte kreative Werkstätten sein, in denen Kinder und Erwachsene sich handwerklich betätigen können. Zum Beispiel sollen in Großschenk kleine Küchenbrettchen und in Heltau mit Wolle Täschchen angefertigt werden.

Ausgebaut wird auch das Bildungsangebot der Stiftung, das Andreea Mănăstirean verantwortet. Bereits im vergangenen Jahr  fanden in einigen Kirchenburgen Bastelaktivitäten mit Schülern statt, zudem hat sie für rund 30 Kirchenburgen Quizze entwickelt, die sich für schulische Veranstaltungen eignen, die aber auch auf großes Interesse auf den Transilvanian Brunches stießen.

Bischof und Geschäftsführer blickten auch nach vorne. Konkret: Die Kirche ist in einem umfangreichen Transformationsprozess, über den wir noch berichten werden. Vier neue Abteilungsleiterstellen wurden für die wichtigen Themen wie geistliches Leben, Diakonie, Kultur und Bildung sowie nachhaltiges Wirtschaften ausgeschrieben und schon teilweise besetzt. Und die Stiftung nimmt das Thema Digitalisierung in Angriff. Es gehe vor allem darum, erklärt Cismaru, dass zum Beispiel der Kartenverkauf und der Einlass in die Kirchenburgen schrittweise elektronisch erfolgen soll.

Den analogen Abschluss der Pressekonferenz machte dann der Heltauer Stadtspfarrer Zoran Kezdi, der durch die sehr umfangreich renovierte Kirchenburg führte und unter anderem auf die – wie er sagte -, wertvollsten Fresken einer siebenbürgisch-evangelischen Kirche aus dem 13. Jahrhundert hinwies und auf den ältesten Grabstein aus dem 12. Jahrhundert.

hk