Die Zukunft der Missionsarbeit


"Evangelische Mission im orthodoxen Umfeld", heißt ein interessanter Tagungsband, herausgegeben vom Theologen Stefan Cosoroabă.

Für unsere Gemeinschaft ist es wichtig zu wissen, dass sich die Kirchenleitung, und darüber hinaus auch führende Köpfe aus dem In- und Ausland, Gedanken machen, wie unsere kleiner und auch immer „älter“ werdende Kirche dennoch neue Mitglieder gewinnen kann, und damit überlebensfähig wird.  Dieser Grundgedanke stand auch an der Basis des Runden Tisches zum Thema „Evangelische Mission im orthodoxen Umfeld“.

An diesem, vom Zentrum für Evangelischen Theologie Ost (ZETO) einberufenen runden Tisch, saßen von Seiten der Evangelischen Kirche in Rumänien: Bischofsvikar Dr. Daniel Zikeli und Dr. Stefan Cosoroabã, Geschäftsstellenleiter der GEKE in Wien, der später auch den Tagungsband herausgab, sowie der Studiengangsleiter unseres Theologischen Instituts Dr. Johannes Klein und ZETO-Leiter Gerhard Servatius-Depner.

Die anderen qualitätsvollen Gäste, die aus ihren einschlägigen Erfahrungen berichteten, kamen aus den evangelischen Kirchen Deutschlands und Finnlands, aus Lettland und Georgien, sowie – auf besondere Einladung und als Gast – aus der Rumänisch-Orthodoxen Kirche.

Eines war den Teilnehmern des Runden Tisches klar: wenn man heutzutage von Mission spricht, dann schwingen in dem Wort eine Vielzahl von Bedeutungen mit. „Missionarisch-sein“, war in den letzten Jahrzehnten ziemlich negativ konnotiert. Aber der runde Tisch stellte erfreulicherweise heraus, dass Mission nicht bedeutet, Andersgläubige zu indoktrinieren oder abzuwerben, sondern, im Dialog mit den Menschen der heutigen Gesellschaft stehend, sich von deren Fragen und Sorgen bewegen zu lassen und unseren Zeitgenossen Antworten von Seiten des Evangeliums zu geben.

Dabei, so stellten die Referenten heraus, ist zu unterscheiden, ob sich die Botschaft an Menschen aus einem säkularen Umfeld richtet, oder an ein Publikum aus dem römisch-katholischen oder orthodoxen Kontext. So berichtete Prof. Dr. Linards Rozentalis aus Lettland über „Kirche und Gemeinde im säkularen Kontext“. Er sagte: Die Missionsarbeit des künftigen Christentums wird nicht auf Grundlagen kolonialen Denkens beruhen, sondern auf einer Theologie der Mission Gottes, der selbst das Subjekt der Mission ist, nicht wie bisher das Objekt.

Über die Mission im römisch-katholischen Kontext von Kroatien sprach die von einer finnischen Mission entsandte Missionarin Elina Braz de Almeida. Warum missionieren wir in einem katholischen Land? Weil viele Menschen vom christlichen Glauben und ihrer Kirche losgelöst (disconnected) worden sind. Daher predigen wir die verwandelnde Kraft des Evangeliums.

Über Mission im orthodoxen Umfeld Georgiens sprach Dr. Malkhaz Songuashvili. Er erzählte von einem Friedensprojekt: Die ehemalige Baptistenkathedrale von Tbilissi wurde zu einem einladenden Raum für alle Religionen umgestaltet. Die Kathedrale kann als eindrucksvolles Zeugnis der göttlichen Mission der Liebe, Inklusion und Gerechtigkeit gesehen werden.

Von diesem runden Tisch wäre noch viel mehr zu berichten. Alles ist in dem Band „Evangelische Mission in orthodoxem Umfeld“ nachzulesen. Es gibt hervorragende Einführungsreferate von Pfarrer Gerhard Servatius Depner, Bischaofsvikar Dr. Daniel Zikeli und Pfarrer Dr. Stefan Cosoroabã. Schließlich auch ein gelungenes Koreferat „Die Kirchenburg als Ort und Ziel der Mission“ von Prof. Dr. Johannes Klein. Ich möchte die Leser  ermutigen, dieses Buch eingehender zu studieren.

Denn der letztendlich theologisch hochklassige Beitrag von Prof Dr. Marius Crişan ist zusätzlich gerade für uns, die wir in Rumänien leben, sehr bedeutsam. Er zeigt nicht nur, wie tief verwurzelt im Geschehen der Liturgie und der daraus sich begründenden Hierarchie die Orthodoxe Kirche in Rumänien ist. Sondern, er zeigt auch Möglichkeiten kirchlicher Zusammenarbeit für uns Evangelische, gerade hier im orthodoxen Umfeld.

Das Buch schließt mit dem „Bukarester Missionskodex“, der bei dieser Gelegenheit des Runden Tisches ausgearbeitet wurde. Wer sich dafür interessiert, dem sei diese Publikation – aber auch das damit verbundene Anliegen – ans Herz gelegt!

Stefan Cosoroabă (Hg.): Evangelische Mission im orthodoxen Umfeld, Tagungsband des Runden Tisches in Bukarest, vom 14. bis 16. 11. 2024

Dr. Thomas Pitters