Bischof und Landeskirchenkuratorin schwören Kuratoren auf neue Zeit ein
Drei Themen beschäftigten die rund 50 Teilnehmenden des diesjähren Kuratorentages Ende März in Hermannstadt. Motto: „Zukunft gestalten – Gemeinschaft leben, neue Strukturen – Gemeindeverbände“. Es ging um gelebte Gemeinschaft in Gemeindeverbänden, um den Stand des Transformationsprozesses innerhalb der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien und um die Gestaltung der Beziehungen der Kirchengemeinden zu ihren jeweiligen Heimatortsgemeinschaften (HOGs) in Deutschland.
Den Auftakt des Kuratorentages bildete traditionell der Gottesdienst, dieses Mal in der Ferula der Hermannstädter Stadtpfarrkirche, gehalten vom Schäßburger Bezirksdechanten Dr. Bruno Fröhlich. Gleich zu Beginn stellte er klar: „Gemeindeverbände können nur dann funktionieren, wenn die angestrebte Gemeinschaft der Gemeinschaft in Jesus Christus entspricht. Es gilt „hinzuhorchen“, was der eine oder die andere nötig hat. Wenn wir das tun, dann geschieht es so, wie es uns am Schluss des Christushymnus suggeriert wird, nämlich zur Ehre Gottes, des Vaters“.
In seiner Begrüßung im Bischofspalais wies Bischof Reinhart Guib darauf hin, wie wichtig es für die EKR sei, dass Ehrenamt und geistliches Amt zusammenarbeiten, denn „Kirche sind wir gemeinsam“. In einer sich verändernden Welt müssen sich Tradition und Innovation verbinden – Ecclesia semper reformanda ist gute evangelische Tradition. Wenn das nicht geschieht „dann verliert auch der Lieblingsspruch der Siebenbürger Sachsen: Mer wellen bleiwen, wat mar sen (Wir wollen bleiben, was wir sind) seine Gültigkeit. Die richtigen Antworten auf die Fragen der Gegenwart zu finden, macht unsere Gemeinschaft fit für die Zukunft!“
Altlandeskirchenkurator Friedrich Philippi erinnerte an das Engagement der im vergangenen Jahr verstorbenen Kuratorinnen und Kuratoren. In einer gemeinsamen Schweigeminute wurde ihrer gedacht.
Die EKR stellt sich den Herausforderungen der Zukunft durch einen tiefgreifenden Reformprozess. Bischof Guib unterstrich die Bedeutung der Arbeitsgruppen und der darin bearbeiteten Themen - die Bedeutung einer einladenden, offenen Kirche, des Religionsunterrichts in den Schulen, der Kultur wie etwa des Teutsch-Hauses als Fenster in die Gesellschaft, der Kirchenburgen als besonderes Erbe der Siebenbürger Sachsen und als touristische Attraktion und nicht zuletzt die Nächstendienste durch Diakoniearbeit.
Hauptanwalt Friedrich Gunesch informierte über den Stand zur Überarbeitung der Wahlvorschriften, mit dem sich eine der Arbeitsgruppen beschäftigt. Eine Konsequenz der letzten Kirchenwahlen ist, dass das Wahlverfahren vereinfacht werden muss. Eine „einfache Anwendung in strukturschwachen, überalterten und personell ausgedünnten Kirchenbezirken“ mit vereinfachten Wahlverfahren, reduzierten formalen Anforderungen, längeren Amtszeiten soll zur Entlastung der Gemeinden führen, Kontinuität sichern und die Dokumentations- und Berichtspflichten erheblich reduzieren.
Hauptthema des Kuratorentages war der Gemeindeverband als Zukunftsstruktur kirchlicher Gemeinschaft. Ausführlich wurde über die Erfahrungen der bereits bestehenden Gemeindeverbände gesprochen, über die Vor- und Nachteile dieser Organisationsform. Zur Zeit gibt es neun Gemeindeverbände. Drei mehr sollen es dieses Jahr werden.
Landeskirchenkuratorin Dr. Carmen Schuster moderierte die Gesprächsrunde der Pioniere des Gemeindeverbandes: Dietrich Galter, Pfarrer des Gemeindeverbandes Neppendorf und Dechant des Hermannstädter Bezirkes, Dr. Johannes Klein, Theologieprofessor und Pfarrer des Gemeindeverbandes Fogarasch sowie Pfarrer Johannes Zey, Gemeindeverband Reener Ländchen.
Sie sprachen über ihre langjährigen Erfahrungen im Aufbau von Gemeindeverbänden. Vorteile sind die dezentrale Struktur, die kurzen Dienstwege sowie eine schlanke Verwaltung. Bezirke sind oft zu weit weg und haben nicht das nötige Personal, um zeitnah Aufgaben in den entfernteren Kirchengemeinden zu lösen. Durch die Gemeindeverbände kommt man wieder näher an die Menschen heran. Allerdings – so Bischof Guib - sind noch rechtliche und finanzielle Fragen zu klären. Eine wichtige Voraussetzung für einen funktionierenden Gemeindeverband - darin waren sich alle einig – ist ein funktionierendes Pfarramt, das finanziell abgesichert ist.
Am Nachmittag informierte Landeskuratorin Dr. Schuster die Kuratoren über den Reformprozess in der Kirche. Die neue Organisationsstruktur in der Landeskirche verlagert die vielfältigen Aufgaben auf mehrere Schultern. Hauptanwalt Friedrich Gunesch, Dr. Gerhild Rudolf, Leiterin des Teutsch-Hauses, sowie Heidrun König, Leiterin des Museums, werden dieses bzw. nächstes Jahr in Rente gehen.
Wenn die Landeskirche den zukünftigen Herausforderungen gewachsen sein soll, müssen viele Bereiche neu geordnet werden. Sie sind auch die Antwort auf ein immer professioneller werdendes Umfeld. Dem Bereich Einladende Kirche/Geistliche Dienste sind die Arbeitsbereiche geistliche Arbeit, Gemeindeaufbau, Ökumene zugeordnet. Der Bereich Diakonie und Fürsorge bündelt die Kräfte der diakonischen Einrichtungen, der Bereich Kultur und Bildung hat die Aufgabe, siebenbürgische-sächsische Kultur – das Teutsch-Haus mit seinen Einrichtungen, die Kirchenburgen - im internationalen und rumänischen Umfeld bekanntzumachen.
Der Bereich Nachhaltiges Wirtschaften ist für die Sicherung des kirchlichen Vermögens auch für zukünftige Generationen zuständig. Die zukünftige Leitung der Kanzlei und der Hauptabteilung Strategie Zukunft Kirche wird sich mit strategischen Fragen, mit Recht, mit internationalen Kooperationen, mit EU-Projekten und mit den Beziehungen zu den Heimatortsgemeinschaften befassen.
Eine weitere Position – das Controlling - sichert die professionelle Steuerung und Verwendung der vorhandenen Finanzmittel der Kirche. Eine neue Stelle zur Immobilienberatung wird aufgebaut, damit sich die Kirchengemeinden in der Nutzung und Entwicklung der kircheneigenen Immobilien professionelle Hilfe holen können. Auch hier ist das Ziel, professionelles Wissen zur Grundlage von Entscheidungen zu machen. Der Bukarester Kurator Emil Ionescu, der die Arbeitsgruppe Management, Verwaltung und Finanzen leitet, wies darauf hin, dass Wirtschaften nachhaltig sein müsse, wenn das Vermögen der Kirche für zukünftige Generationen gesichert werden soll.
Einen kurzen Einblick in die Öffentlichkeitsarbeit der EKR gab Hans Königes, der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit. Eine enge Zusammenarbeit der Kirche mit den Medien ist unabdingbar. So können sowohl die eigenen Mitglieder als auch die breite rumänische Öffentlichkeit erreicht werden. Die Kirchlichen Blätter, die vierteljährlichen Pressekonferenzen sowie ein neuer Internet-Auftritt ab Juni tragen dazu bei, dass die Stimme der EKR in der rumänischen Öffentlichkeit gehört wird.
Im letzten Programmpunkt – der der Landeskirchenkuratorin ebenfalls stark am Herzen liegt – ging es um die Beziehungen der in Rumänien gebliebenen Siebenbürger Sachsen zu den Ausgewanderten, die sich in der Regel in den Heimatortsgemeinschaften (HOGs) in Deutschland organisieren. Das Interesse der Ausgewanderten an ihrer Heimat Siebenbürgen und ihren Herkunftsorten ist erfreulicherweise gestiegen. Damit die Zusammenarbeit in den Kirchengemeinden Früchte trägt, muss sie auf einem gesunden Fundament stattfinden: offene Kommunikation, Verständnis für die jeweils andere Lebenserfahrung sowie Akzeptanz sind dabei unabdingbar.
Missverständnisse sind bei so unterschiedlichen Lebenserfahrungen unvermeidlich. Sie können aber geklärt und Gräben können überwunden werden. Das gemeinsame Ziel, die Zukunft unserer Gemeinschaft zu sichern, sollte verbindend und nicht entzweiend wirken. „In der gemeinsamen Arbeit – Geistliche, Kuratoren und Ehrenamtliche, HOG-Vertreter - steckt ein unwahrscheinliches Potenzial und eine immense Zukunftschance für alle Seiten“, so Dr. Schuster, die Landeskirchenkuratorin.
Einen praktischen Beitrag, wie Zusammenarbeit zwischen örtlicher Kirchengemeinde und HOG funktionieren kann, lieferte der in Deutschland lebende Kurator von Holzmengen Christian Schneider. Im Gespräch mit den Teilnehmern und mit der Landeskirchenkuratorin wurde eine Art Leitfaden entwickelt, der aufzeigte, worauf es ankommt, um gemeinsames Arbeiten erfolgreich zu machen: ein klares gemeinsames Ziel, offene und transparente Kommunikation, konkrete Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten, am besten in einer gemeinsamen Vereinbarung festgehalten.
Es war ein äußerst lebendiger Kuratorentag, immer wieder berichteten Kuratoren von ihren Herausforderungn vor Ort. Sie wünschten sich aber auch - so der Tenor der Abschlussdiskussion - mehr Zeit für gegenseitiges Kennenlernen und für Austausch, eventuell in einer weiteren Veranstaltung im Herbst. Was auf jeden Fall stattfinden wird, ist ein Weiterbildungswochenende im Juni für neue Kuratoren und solche, die ihre Aufgaben besser verstehen wollen, denn es gilt auch die Frage zu beantworten, die von einem der Teilnehmer gestellt wurde: Was haben wir konkret zu tun, in der Kirchenordung steht dazu nur ein einziger Satz, nämlich den Pfarrer zu vertreten. Und das ist für engagierte Kuratoren in unserer Kirche zu wenig!
hk























































































































