Auf Wiedersehen, Petra Stöckmann-Kothen


Petra Stöckmann-Kothen verabschiedet sich nach 30 Jahren Diakoniearbeit im Carl-Wolff-Heim und kehrt zurück nach Deutschland.

„Wenn jemand Schweres durchmacht, soll er beten; ist er voller Zuversicht, soll er Loblieder singen.“ Dieses Wort aus dem Jakobusbrief, Kapitel 5, Vers 13, postete Petra auf ihrem WhatsApp-Status im Oktober dieses Jahres. Es muss ihr wichtig sein, so wie es anderen Personen wichtig ist, ihre Reiseerlebnisse, Landschaftsbilder oder Lieblingstiere in den digitalen Medien zu teilen.

Petra begegnet man selten in den Neuen Medien, dafür täglich im Hermannstädter Altenheim Dr. Carl Wolff, ihrer Arbeitsstelle. Noch.  Denn nach dreißig Jahren verabschiedet sich die gebürtige Norddeutsche und kehrt zurück in die Heimat südlich von Hamburg.

Angst vor der Zukunft hat sie nicht, geht sie doch in ein Umfeld, das sie kennt, in die Nähe von Geschwistern und Freunden. Wohnen wird sie beim Vater, der im hohen Alter nun Hilfe braucht. Sie weiß, wo sie hinkommt. Und Arbeit wird sich bestimmt finden. Im diakonischen Bereich, ihrem Beruf, herrscht Personalmangel. Wenn es auch leider nicht mit der gleichen Tätigkeit weitergehen wird.

Petra ist Seelsorgerin im Altenheim, gelegentlich auch im angrenzenden Hospiz, und das mit Leib und Seele. Solche Stellen, weiß sie zu berichten, sind in deutschen Einrichtungen nicht vorgesehen. Bischof Christoph Klein fragte die junge Freiwillige, die nach einer FSJ-Zeit in Siebenbürgen und abgeschlossener Ausbildung samt Anerkennungsjahr in Deutschland seit 1994 Dienst in Kleinstgemeinden rund um Hermannstadt tat, ob sie sich diesen Job vorstellen könne: Seelsorgerin im neu gegründeten Altenheim. Petra sagte zu.

Wunden hat die lange Zeit nicht hinterlassen, aber manche Narbe: ihr wurde bedeutet, dass sie nur so lange bleiben werde, bis sich jemand Einheimischer fände, der oder die diese Arbeit übernimmt. Manchmal schlug ihr als Frau Ablehnung auf diesem Posten entgegen. Was will die Fremde hier? All das ist schon lange kein Thema mehr.

Mit ihrem liebevollen, den Menschen zugewandten Einsatz hat Petra alle überzeugt. Rund 300 Beerdigungen hat sie in den Jahren mitgestaltet, in letzter Zeit sogar ganz allein, von der Aussegnung im Heim bis zur Beerdigung am städtischen Friedhof. Ab und zu war sie dankbar dafür, dass ihr nahestehende, liebgewonnene Personen auf dem allerletzten Weg von einem Pfarrer begleitet wurden.

Braucht, wer Schweres erlebt und trösten muss, nicht auch selbst Hilfe? Petra hatte in ihrem Ehemann Michael Kothen, der vor einem Jahr plötzlich verstarb, einen intensiven Zuhörer und geduldigen Begleiter. Dazu, erzählt sie mit einem Lächeln, seien viele Bewohner für sie wie Oma und Opa gewesen, liebevoll, vertraut wie die eigenen Großeltern.

Ihre Jugendlichkeit hat Petra Stöckmann-Kothen sich erhalten. Ist sie wirklich schon sechzig? Die hochgewachsene, schlanke blonde Frau strahlt Zuversicht und Ruhe aus. Ein Lächeln im Gesicht macht es leicht, mit ihr in Kontakt zu treten. Und mit ebendiesem Lächeln tut sie Bemerkungen wie „Pfarrerin in Blue Jeans“ ab. Der schwierige Kranke im Hospiz, der das schockierend fand, er war dann doch dankbar für jede Begegnung mit ihr bis zu seinem Ende.

Aufrecht steht Petra Gesprächspartnern gegenüber. Das überträgt sich manchmal, so dass diese unwillkürlich den Rücken strecken, sich auf Zehenspitzen erheben, vielleicht auch innerlich wachsen möchten. Petra Stöckmann-Kothen macht es vor, wie man ungebeugt durchs Leben gehen kann, Schweres annimmt und Freude mit den Nächsten teilt.

Auf Wiedersehen und sehr herzlichen Dank für die Zeit in und um Hermannstadt, liebe Petra! Gottes Geleit für den Weg in die neue alte Heimat.

Ursula Philippi