2025 – ein gnadenreiches Jahr für die Frauenarbeit


Patchwork-Werkstatt im Sommer 2001 im Tagungshaus der Evangelischen Akademie Siebenbürgen in Neppendorf.

Das Jahr 2025 stand für die Frauen der EKR unter dem Zeichen des erfüllenden, dankbaren Rückblicks und war nicht nur mit einer großen, sondern auch mit vielen kleinen feierlichen Sternstunden gespickt. Auf wunderbare Jahre gelebter Gemeinschaft unter dem Dach der Kirche blicken wir zurück.

Das sind über 50 Jahre Weltgebetstagsfeiern in unserer Landeskirche und 30 Jahre, seitdem die 111 Teilnehmerinnen der ersten Vollversammlung im Festsaal des Bischofshauses in Hermannstadt einstimmig beschlossen: Wir wollen eine Frauenarbeit als Werk der Kirche gründen. Wir möchten ein Dach bilden, unter dem sich Frauen vernetzen können, Gemeinschaft zwischen Generationen und Konfessionen fördern und verschiedene Rüstzeiten und Fortbildungen für und mit Frauen organisieren.

In bedachter Zusammenarbeit sind Statuten erarbeitet und bereits vor der kirchlichen Anerkennung sind Fortbildungen und Rüstzeiten für verschiedene Zielgruppenangeboten worden. Wie? Dank vieler starker Frauen. Im ehrenamtlichen Engagement! Das stete gemeinschaftsfördernde und zukunftsorientierte Wirken der Frauen führte zur verdienten Anerkennung, die letztendlich durch die 67. Landeskirchenversammlung im November 2000 erfolgte.

Im gleichen Jahr konnte dann eine Geschäftsstelle eingerichtet und eine Frauenbeauftragte angestellt werden. Dem gewählten Vorstand gehörten damals elf1 Frauen aus verschiedenen Regionen an, sowie ein delegiertes Mitglied des Landeskonsistoriums. Gemeinsam und mit der Hilfe vieler weiterer Ehrenamtlichen konnten sie für die Durchführung der Arbeit auf verschiedenen Ebenen sorgen. Gesellschaftliche und kirchliche Änderungen erforderten im Laufe der Jahre anpassende Novellierungen. Heute arbeiten vier gewählte Vorstandsfrauen, eine Ehrenvorsitzende und eine LK-Delegierte gemeinsam mit der Frauenreferentin an der Verwirklichung der Ziele und zum segensreichen Umsetzen der zeitgemäß angepassten Vorhaben.

Zunächst begann alles mit Hilfe von Partnerinnen aus dem Ausland und Freunden aus dem Inland, jemand kannte jemanden, der/die sich vom begeisternden Funken anstecken ließ und gerne helfen wollte. Jede Spende noch so klein, sei es in Form von Bastelpapier, einer Schreibmaschine oder eines Schreibtischs, ermöglichte den Start, sowie das Wirken auf lokaler, regionaler und landesweiter Ebene und das Durchführen von Veranstaltungen für verschiedene Zielgruppen und zu verschiedenen Themen.

So manch eine/r erinnert sich noch gerne an die ersten Kuratorinnenrüstzeiten der Frauenarbeit, die thematisch und inhaltlich den kirchlichen Aufgaben angepasst waren und mit hochkarätigen Referenten durchgeführt wurden. Aus dem kleinen Samen wuchs eine große Pflanze. Auf dieses anfängliche Wirken der Frauenarbeit beruht der inzwischen zur Tradition gewordene Kuratorentag der Landeskirche.

Heute verfügt die Frauenarbeit dank der Unterstützung der Kanzlei des Landeskonsistoriums über eine renovierte und einladend eingerichtete Geschäftsstelle im Bischofshaus. Der für manche mühsame Aufstieg in den zweiten Stock lohnt sich: in modern und gemütlich eingerichteten Räumlichkeiten können Gespräche und Sitzungen stattfinden, die eine/n persönlich bereichern und dienstlich stärken.

Die anfängliche Schreibmaschine wurde durch einen performanten Laptop ersetzt, der rege Briefwechsel per Post von E-Mail und WhatsApp abgelöst, die handgemalten Plakate und ausgeschnittenen Landkarten von Power Point Präsentationen, die gebastelten Liedblätter und handgemalten Namensschildchen von personalisierten Buntdrucken. Die erweiterten Kommunikationsmöglichkeiten förderten einen immer regeren Austausch und ein gezieltes Wirken. Die Ordner mit Drucksachen und Dokumentationen wurden immer dicker und schwerer.

Die Frauenarbeit wirkt nun seit Jahrzehnten als Werk der Kirche ohne eigene Rechtsperson, wendet sich an alle Frauen und führt keine Mitgliedschaftslisten, verwaltet keine Liegenschaften. Und doch war und ist es möglich, Gemeinschaft und Fortbildung unter dem Dach der Kirche anzubieten, bis zu 20 landesweit angebotene, generationenübergreifende Veranstaltungen jährlich, zusätzlich zu den regionalen und lokalen Angeboten.

Die Aufzählung aller Veranstaltungen der Frauenarbeit würde den Rahmen sprengen, das erlebten auch die Mitarbeiterinnen der Frauenarbeit beim Einrichten der Ausstellung im Bischofshaus anlässlich der Jubiläumsfeier im März d. J. Das reichhaltige Archiv der Frauenarbeit, zurzeit dankenswerterweise gebündelt im landeskirchlichen Archiv deponiert, zeugt von breitgefächerter, inhaltsreicher Arbeit.

Fortbildungen für Kuratorinnen, Küster, Diakoniemitarbeitende, Leiterinnen der Frauenkreise, Senioren und Erwachsene, WGT-Multiplikorinnen, die Singtage, Wandertage, Frauengottesdienste, Kreativwerkstätten verschiedener Formen, Vollversammlungen und Sitzungen sind Räume der Liebe und Fortbildung gewesen. Viele der Angebote sind zur Tradition geworden und erreichten heuer Jubiläumseditionen, so z. B., die Patchworkwerkstätten, Seidenmalereien und Brotbackseminare.

Die bewährten Seidenmalwerkstätten und Patchworkrüstzeiten stellen Höhepunkte im Alltag der Teilnehmenden dar. Berichte und Fotos zeugen von genererationenübergreifender Begeisterung und großer Dankbarkeit für die neu erworbenen Kenntnisse und gelebte Gemeinschaft. Junge Frauen wachsen hinein und übernehmen heute die Leitung und Referentinnenaufgaben, sie teilen ihr Können mit anderen Frauen und Jugendlichen, die gerne malen oder nähen, sie fördern mit viel Feingefühl die Kreativität aller Teilnehmenden.

Immer wieder lassen sich neue Frauen, aber auch Männer und Jugendliche für die Angebote der Frauenarbeit begeistern. Dass aus anfänglicher Begeisterung Kontinuität entsteht und dabei neue Traditionen wachsen, die sich über viele Jahre bewähren und weiterwachsen, zeugt von erreichten Zielen und motiviert zur Weiterarbeit.

Kreativwerkstätten der Frauenarbeit sind nicht nur Raum für kreative Entfaltung. Sie bieten die Möglichkeit der Gemeinschafts- und Brauchtumspflege, der seelischen Stärkung und geistlichen Förderung. Zum Rahmen jeder Veranstaltung gehören außer den konkreten Arbeitseinheiten sowohl themenbezogene als auch biblische Impulse, Beten und Singen. Auf Anfrage von Frauen aus verschiedenen Gemeinden der EKR und bestehendem Interesse an kreativen Angeboten erweitert die Frauenarbeit jährlich ihren Veranstaltungskalender mit neuen Werkstätten und Fortbildungen.

Auch in diesem Jahr trafen für all die ausgeschriebenen Veranstaltungen viel mehr Anmeldungen ein, als Plätze ausgeschrieben wurden. Wenn räumliche, materialbezogene und menschliche Kapazitäten nicht eingeschränkt wären, würden noch mehr Interessierte teilnehmen. Für die jetzigen Möglichkeiten sind die Mitarbeiterinnen der Frauenarbeit zutiefst dankbar.

Frauen haben im unermüdlichen Einsatz Zukunft in Liebe gestaltet und viele Räume der Liebe geboten. Diese Räume hatten verschiedene Themen und Schwerpunkte, sind inhaltsreich und bunt gewesen, haben an verschiedenen Austragungsorten Menschen zusammengebracht und gestärkt. Räume der Liebe und zukunftsgestaltenden Visionen sind auch die jährlichen Vertreterinnenversammlungen, zu denen Vertreterinnen aus allen Kirchenbezirken eingeladen werden. Im Rückblick werden Berichte ausgewertet, Vorstand und Geschäftsführerin entlastet, und im Ausblick werden zukunftsorientierte Ideen entwickelt. Räume der Liebe sind alle Veranstaltungen, die allesamt generationenübergreifend sind, ökumenisch und sprachlich offen, bunt und lebendig. Aussage einer Teilnehmerin:

Für mich, als neu Hinzugekommene, war es berührend, wie selbstverständlich ich aufgenommen wurde. Offene Gesichter, Lachen, ein Willkommen ohne Bedingungen: Schnell entstand eine Atmosphäre des Vertrauens und der Nähe. Zwischen Fäden und Maschen wuchsen Gespräche, neue Bekanntschaften und ein Gefühl von Gemeinschaft.

Frauenarbeit ein Kaffeekränzchen? Frauenarbeit ein Handarbeitstreffen? Nein! Mit Sicherheit nicht! Die Frauenarbeit bietet Gemeinschaft und Fortbildung unter dem Dach der Kirche und gründet ihr Wirken auf das Evangelium. Frauenarbeit bietet Veranstaltungen zur persönlichen und dienstlichen Fortbildung.

Dass jede Veranstaltung mit Kaffee und herzlicher Begrüßung beginnt, gibt Möglichkeit zum Ankommen, so wie wir es auch von den Samoanerinnen anlässlich des von ihnen gestalteten Weltgebetstag im Jahr 2001 lernten. Die Seele muss ankommen. Dann kann man sich auf Neues einlassen und sich für den herausfordernden Alltag und die unsichere Zukunft rüsten und stärken lassen. Davon zeugen die Erlebnisberichte der Teilnehmenden. Ein Besipiel:

„Für mich war dieses Wochenende nicht nur eine handwerkliche Erfahrung, sondern eine seelische Bereicherung.  Die Atmosphäre während der Werkstatt war geprägt von konzentriertem Arbeiten, lebendigem Austausch und gemeinsamer Freude am kreativen Gestalten. Die Teilnehmenden unterstützten sich gegenseitig, tauschten Tipps aus und ließen sich von den vielfältigen Ideen und Stoffen inspirieren. Zum Abschluss wurden die entstandenen Werke vorgestellt. Die Vielfalt der Ergebnisse – jedes sorgfältig genäht und einzigartig im Ausdruck – verdeutlichte eindrucksvoll, wie aus vielen kleinen Stoffteilen ein harmonisches Ganzes entstehen kann. Die 25. Patchworkwerkstatt war ein gelungenes und inspirierendes Treffen kreativer Menschen verschiedener Altersgruppen.“

Frauen möchten auch zukünftig Räume der Liebe schaffen und als Werk der Kirche Räume der Begegnung anbieten, Gemeinschaft unter dem Dach der Kirche ermöglichen, Gegenwart und Zukunft in Liebe gestalten. Dahin wirken Vorstand und Vertreterinnenversammlung zielorieniert und mit Gottvertrauen.

Wunderbar geschaffen waren die vergangenen Jahre, so wie es auch das Thema des diesjährigen Weltgebetstags und der großen Jubiläumsfeier im März zutreffend beschrieb. Im Ausblick steht, gemäß der Jahreslosung und zugleich Thema der nächsten Vertreterinnenversammlung Gott spricht: Siehe ich mache alles neu, unser Vertrauen auf die Zukunft, die wir in Gottes Hände legen, Vertrauen auf die weitere Mitarbeit vieler starken Frauen. Ihnen allen, im Rück- und Ausblick, gebührt großer Dank!

Margit Kezdi