Auf Luthers Spuren in Wittenberg: Vikarinnen und Vikare der EKR besuchen die Stadt der Reformation


Gruppenbild in der Corpus-Christi-Kapelle von Wittenberg (Foto: zVg)

„Das wirkliche Leben besteht aus Begegnungen. Wenn wir aufhören uns zu begegnen, gleicht dies einem Aufhören des Atmens.“ Diese Worte von Martin Buber finden besonders Anklang im Licht der jüngsten Initiative der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien (EKR). Die Landeskirche organisierte eine bemerkenswerte Reise, die die Wichtigkeit von Begegnungen in der Ausbildung und im Dienst ihrer Vikarinnen und Vikare hervorhebt.

Das Vikariat der EKR ist sowohl ein Dienst als auch eine Ausbildungsphase. Während ihrer zweijährigen Ausbildungszeit sind die gegenwärtig sechs Vikarinnen und Vikare in verschiedenen Gemeinden des Landes tätig, in Siebenbürgen und darüber hinaus. Normalerweise beschränken sich ihre Zusammenkünfte auf Prüfungen, kurze Rüstzeiten oder Ausbildungsblocks. Ein kürzlich initiiertes Projekt jedoch ermöglichte ihnen aber eine andere Art der Begegnung. Ein Wendepunkt in ihrer Ausbildung war somit die Reise nach Wittenberg, mit einem Zwischenstopp in Wien, die vom 21. bis zum 26. Januar stattfand. Unter der Leitung von Dr. Stefan Cosoroabă, Pfarrer der EKR und Mitarbeiter der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, besuchte die Gruppe Wittenberg. Schon die Reise an und für sich war eine Übung in Leitungsaufgaben, da jeder Teilnehmende vollverantwortlich eine Aufgabe übernahm: Claudiu organisierte die Fahrt, Britta die Morgenandachten, Max die Abendandachten und die Kirchenmusik, Gabriel den Abendmahlsgottesdienst, Monica führte die Kasse und Mihai oblag die Aufgabe des Dankens und Beschenkens. 

In Wien wurde die Gruppe von der Evangelischen Kirche A.B. Österreich mit einem exquisiten Abendessen und Unterkunft verwöhnt. Am Ziel angekommen, erlebten die Teilnehmer eine gut organisierte Woche im LWB-Colleg Wittenberg. Dort wurden sie von Dr. Johann Schneider, Regionalbischof des Propstsprengels Halle-Wittenberg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, in die Tiefe des Themas „Kirche“ eingeführt. Die täglichen Morgen- und Abendandachten in der Corpus-Christi-Kapelle prägten ihren Alltag und boten den zukünftigen Amtsträgern aktive Beteiligungsmöglichkeiten. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der homiletischen Ausbildung, geleitet von Dr. Martin Dutzmann, Präsident des Gustav-Adolf Werkes. In interaktiven Predigtwerkstätten erlangten die Vikarinnen und Vikare wertvolle Einsichten und erhielten praktische Tipps. Daraufhin widmete sich Pfarrer Dr. Cosoroabă dem Thema Gemeindeleitung und gab wichtige Denkanstöße für die praktische Umsetzung weiter. Am Donnerstag, dem 25. Januar, erörterte Dr. Friedrich Hauschildt, ehemaliger Präsident des Amtes der VELKD, die ethische Dimension von Luthers Theologie anhand exemplarischer Schriften wie „Von den guten Werken 1520“. Am Donnerstagabend gestalteten schließlich die Vikarinnen und Vikare einen Vespergottesdienst mit allgemeiner Beichte und Heiligen Abendmahl. Diesem Gottesdienst ging eine besondere Zeremonie voraus, geleitet von Pfarrer Dr. Stefan Cosoroabă. Im Einklang mit der siebenbürgischen Tradition führte er eine Versöhnungsfeier durch, an der sowohl die Referenten des LWB-Collegs als auch die Vikarinnen und Vikare teilnahmen. Diese Feier stellte einen bedeutenden spirituellen Akt dar, der die Gemeinschaft stärkte und auf den nachfolgenden Gottesdienst einstimmte.

Die akademischen Veranstaltungen wurden durch Besichtigungen und Freizeit in Wittenberg ergänzt, einschließlich des Besuchs des Luthergartens als Raum für Reflexion und Besinnung. Das Projekt, getragen von der EKR, mitfinanziert durch das Deutsche Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes und unterstützt durch die Evangelischen Kirche A.B. Österreich, war nicht nur eine Bildungsreise, sondern auch eine Reise des Glaubens und der Gemeinschaft. Die Vikarinnen und Vikare kehrten mit neuen Erkenntnissen und Erfahrungen in ihre Gemeinden zurück, bereit für ihre anstehenden Prüfungen. Die Reise verdeutlichte Martin Luthers Sicht der Theologie als vitale Kraft, die das Herz des Gläubigen durchdringt: „Oh, es ist ein lebendig, schäftig, tätig, mächtig Ding um den Glauben.“ Ganz im Sinne von Bubers Betonung der Bedeutung der Begegnung, lehrte diese Erfahrung die Vikarinnen und Vikare, dass echter Glaube und wahres Lernen in der Begegnung mit anderen und mit der Geschichte selbst stattfinden.

Herzlichen Dank den Referenten sowie den Mitarbeitenden des LWB-Collegs, Direktorin Inken Wöhlbrand und Dr. Samuel Nanasi. Es war eine wichtige Zeit!

Im Namen der Gruppe,

Dipl.-Theol. Mihai Udrea, Vikar in Bukarest