EKR - Evangelische Kirche A.B. in rumänien
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Grußwort zum Neujahrsempfang 5.01.2010

Von Landeskirchenkurator Prof. Friedrich Philippi

Hochwürdiger Herr Bischof, verehrte Frau Bischof, verehrte Gäste!

Der Neujahrsempfang unseres Bischofs ist nun seit Jahren zur Tradition geworden. Zu dieser Tradition gehört auch ein Wort des Landeskirchenkurators. Dieser Tradition entspreche ich gerne, um unserem Herrn Bischof die besten Wünsche zum Neuen Jahr von Seiten mehrerer Einrichtungen unserer Kirche zu überbringen.

Ich wünsche Ihnen im Namen des Landeskonsistoriums für das Neue Jahr, das auch auf Ihrem Lebensweg eine weitere Stufe mit sich bringen wird, vor allem Gesundheit, weiterhin Schaffenskraft und Gottes Segen zu all Ihrem Tun!

Diese guten Wünsche darf ich auch im Namen Ihrer engsten Mitarbeiter in diesem Haus und der ihm verwaltungsmäßig zugeordneten Einrichtungen  aussprechen, im Namen aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, des Hauptanwaltes und der Kanzlei des Landeskonsistoriums mit all ihren Abteilungen, der Leitstelle Kirchenburgen, der Frauenarbeit unserer Kirche, des Schülerwohnheimes, des Teutsch-Hauses, des Altenwohnheimes in Schweischer und der kirchlichen Erholungsheime in Michelsberg und Wolkendorf.

Als Landeskirchenkurator überbringe ich Ihnen auch die Segenswünsche der Verantwortungsträger (Kuratoren und Ansprechpersonen) all unserer 247 Kirchengemeinden und der sie betreuenden rund 40 Pfarrer. Schon diese zwei Zahlen lassen erkennen, dass unsere Kirche eine extreme Diasporasituation zu bewältigen hat. Von den insgesamt 247 Kirchengemeinden wohnt in rund 220 Gemeinden kein Pfarrer mehr. Dadurch hat sich sowohl die Stellung des Pfarrers als auch die des Kurators wesentlich geändert. Wenn bisher über Jahrhunderte hinweg der evangelische Pfarrer die Identifikationsfigur der Gemeinde war, ist das in den letzten Jahren zusehends mehr der Kurator oder die Kuratorin geworden, wenn es diese überhaupt noch gibt. Die übliche Frage „Wer ist bei euch Pfarrer?“  wird immer häufiger ersetzt durch die Frage „Wer ist bei euch Kurator?“. Nur durch die Überalterung unserer Gemeindeglieder in den Dörfern ist es möglich, dass Kuratoren heute zum Teil das biblische Alter des 90. Psalmes erreichen.

Einige von diesen, Jubilare des vergangenen Jahres, möchte ich hier vorstellen. Denn die Segenswünsche für unseren Herrn Bischof kommen auch von ihnen. Es sind das:

Aus Rauthal: Kurator Johann Wellmann, 80 Jahre
Zehn Tage vor seinem 80.Geburtstag starb seine Frau, zwei Wochen danach nahmen ihn seine Kinder für immer nach Deutschland mit.
Aus Nussbach: Kurator Horst Leonhardt, 70 Jahre
Kurator Leonhardt hat so wie andere Kuratoren unter anderem auch die Sorge um den Friedhof. Der Friedhof in Nussbach (im Bild) ist einer der ganz wenigen nach der Auswanderung nicht abgedeckten (zubetonierten) Friedhöfe.
Aus Reussen: Kuratorin Katharina Banciu, 70 Jahre
Die Sicherung der Kirchen und Pfarrhäuser vor Einbrüchen konnte auch in Reussen nur durch massive Eisengitter (im Bild) gemacht werden und beschäftigt viele Kuratoren.
Aus Niedereidisch: Kurator Kasper Thomas, 75 Jahre
Kurator Thomas identifiziert sich mit seiner Kirche und sorgt für sie wie für sein eigenes Haus: "Der Sturm hat mir vom Kirchendach einige Ziegeln weggeblasen." Die hat er dann selber ersetzt.
Aus Peschendorf: Kuratorin Katharina Wulkesch, 75 Jahre
Auch die Sorge um die richtige Verwaltung des Kirchenwaldes bewegt manch einen Kurator. Über den Diebstahl des vom Kirchenwaldverein geernteten aber noch nicht abtransportierten Holzes kann Frau Kurator Wulkesch mehr erzählen.
Aus Weilau: Kurator Bela Farkas, 70 Jahre
Kurator Farkas hält die selbstständige Gemeinde so gut es geht zusammen. Die nicht Kirchenbeitrag zahlenden Mitglieder bereiten ihm Sorge. Ebenso wie der vom Holzwurm befallene Dachstuhl unserer Kirche. Wenn es bei der Deckung der Materialkosten Hilfe gäbe, könnten seine Gemeindeglieder vieles in freiwilligem Arbeitseinsatz selbst machen.
Aus Seiburg: Kurator Martin Meynd, 70 Jahre
Kurator Meynd sorgt vorbildlich für die Instandhaltung der Kirche. Er weiß, dass man dabei nicht warten darf, bis größere Schäden auftreten und legt dabei mit seinen Gemeindegliedern selbst Hand an.
Aus Petersdorf/ Marktschelken: Kurator Andreas Dörr, 80 Jahre
Kurator Dörr hält das kleine helle Kirchlein "am Ende der Welt" stets sauber, so dass darin jederzeit Gottesdienst gefeiert werden könnte. Er ist dankbar für die regelmäßig einmal im Monat stattfindenden Gottesdienste.
Aus Marpod: Kurator Johann Kessler, 80 Jahre
Kurator Kessler hat mit Hilfe der HOG vor einigen Jahren im Kirche im Inneren renovieren lassen und noch im letzten Jahr das Dach des Pfarrhauses in Ordnung gebracht. Er hat es mit Mühe geschafft, nach vielen Jahren im Kuratorenamt einen Nachfolger zu finden.
Aus Hermannstadt: Kurator Günther Glanz, 80 Jahre
Kurator Glanz hat sich trotz seines Alters bis zu den kirchlichen Wahlen im vergangenen Herbst mit seinem Fachwissen und seiner ganzen Arbeitskraft für die Belange der größten Gemeinde der Landeskirche eingesetzt und wird das als Presbyter auch weiter tun.
Aus Kleinschelken: Kurator Martin Draser, 80 Jahre
Kurator Draser sorgt trotz seines Alters vorbildlich für die schöne Kirchenburg und war auch nach den letzten Wahlen (in Ermangelung eines jüngeren Nachfolgers) bereit, das Kuratorenamt weiter auszuüben.
Aus Marienburg/ Schäßburg: Kuratorin Hedda Reuss Vlad, 85 Jahre
Kuratorin Reuss Vlad ist wahrscheinlich die älteste aktive Kuratorin. In der Kirche in Marienburg ließ sie die Gedenktafel für die Opfer des II. Weltkrieges (im Bild) anbringen und ist derzeit dabei, ein Heimatbuch zusammenzustellen.
Aus Obereidisch: Kuratorin Gerda Lassel, 64 Jahre
Kuratorin Lassel sorgt auch in dieser entlegenen Gemeinde für die Aufrechterhaltung der kirchlichen Bräuche, zum Beispiel der Feier des Erntedankfestes (im Bild). Sie weiß aus der Zeit der Hilfsgüter zu berichten: "Was man so kriegt, das fließt zwischen den Fingern durch, das kann man nicht richtig schätzen, was man sich selbst erarbeitet, das trägt Frucht."

Wenn auch die Situationen in all diesen Gemeinden sehr verschieden sind, so haben diese Kuratoren doch vieles gemeinsam: ihr Gottvertrauen und ihren unermüdlichen ehrenamtlichen Einsatz für ihre Gemeinden, ebenso wie ihre Dankbarkeit dafür, dass von unserer Kirche, von unserem Herrn Bischof,  immer noch Lösungen für ihre geistliche Betreuung gefunden wurden. Dafür darf ich im Namen aller, Ihnen Hochwürdiger Herr Bischof, Dank sagen und Gottes Segen für das Neue Jahr wünschen!

Ich schließe mit einem Hausspruch aus Großlasseln, der von diesem Gottvertrauen spricht und uns allen im Neuen Jahr zur Richtschnur werden kann:

Gott ist und bleibt der Wundermann, der viel aus wenig machen kann.

Vertrau auf Gott in allen Sachen und hoff auf ihn, er wird’s wohl machen.

Prof. Friedrich Philippi, Landeskirchenkurator der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien

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