Teeniecamp 2010 – Im afrikanischen Dschungel


        Wir schrieben den 5. Juli 2010. Für uns Mitarbeiter hieß es schon zwei Tage vorher da zu sein, um das Lager vorzubereiten.
Die Zeit verging schnell, doch war sie so intensiv, dass man das Gefühl hatte schon viel eher da gewesen zu sein.
        Am 7. Juli 2010 war es dann so weit. Mit einem Kribbeln im Bauch begaben wir uns zur Anmeldung, zum Zelteverteilen oder sonstwo auf das Gelände, um die Kinder willkommen zu heißen. Zweiundsechzig Namen schrieb ich nieder. Zweiundsechzig Gesichter schauten mich an. Manche verstört, andere neugierig, andere froh wieder da zu sein. Ich kann nicht leugnen, dass ich mich ein wenig davor fürchtete, was uns diese Woche wohl erwarten würde und doch war ich voller Vorfreude, voller Neugierde auf das Bevorstehende.
        Es dauerte nicht lange bis ich meine Ängste beseite ließ und alle neuen und doch altbekannten Eindrücke auf mich einwirken lassen konnte.

        Die Tage nahmen ihren Lauf . Es war noch ein weiter Weg bis zum Tag ihrer Abreise, dem 14 Juli. Noch viele Aufgaben waren zu erledigen, viele Spiele und Programmpunkte zu organisieren und obwohl die Müdigkeit und die körperliche Überforderung an unseren Nerven nagten, tauchte ich Tag für Tag, immer tiefer in die Gemeinschaft mit diesen Menschen ein.
Wer hätte gedacht, dass so etwas noch zu Stande kommen würde? Heute, wo die Jugend doch eher mit einem schlechten Ruf bedacht ist. Wer hätte gedacht, dass wir genau in diesem Jahr einen Rekord schreiben von nie gehabten, zweiunsechzig Teilnehmern! Das genau an dieser Schwachstelle – Dank ein paar treuen Menschen, die ihrer Berufung folgen, und eines unerfahrenen Mitarbeiterteams – so eine Gemeinschaft auf die Beine gestellt wurde. Eine Gemeinschaft junger, suchender Menschen, die durchaus bereit waren zu hören was wir ihnen zu sagen hatten –über Gott, über das Leben, die Liebe, Freundschaft und Beziehung.

        Die Tage waren sehr voll. Der normale Ablauf eines Tages begann mit der Stillen Zeit. Diese war nur bis zur Hälfte des Lagers verpflichtend, wurde aber auch danach mit erstaunlich vielen Teilnehmer weiter gehalten. Wir nahmen uns Zeit Eindrücke über Afrika zu gewinnen und uns mit Problematiken auseinanderzusetzen, die wir so vielleicht gar nicht kannten.
        Schon in aller Frühe machte sich bemerkbar, was für eine wichtige Rolle die Musik im Lager spielte. Dank unserer Band gab es bei jedem beliebigen Programmpunkt einen Grund zum Singen, und auch sonst summten die Jugendlichen gerne die christlichen Lieder vor sich hin.

Nach dem Frühstück gab es jeden Tag eine Bibelarbeit. Wir wanderten Anhand der Lebensgeschichte David Livingstones – eines Forschers – durch Afrika und lernten dabei, von welcher Wichtigkeit die verschiedenen Objekte für einen Wandernden sind. Die Landkarte als Wegweiser, der Kompass als Orientierung, das Fernrohr um den Blick auf das Ziel nicht zu verliehren, die Nahrung um nicht zu sterben, die Gemeinschaft um zu helfen und Hilfe zu empfangen und das Tagebuch am alles festzuhalten was einem wichtig ist. All diese Objekte fanden wir auch in unserem geistlichen Leben wieder und lernten sie besser zu verstehen.
Die Bibelarbeiten waren ein wichtiger Programmpunkt im Ablauf eines Tages – um nicht zu sagen der Wichtigste! Wir haben versucht ihre Herzen zu erreichen und ich glaube daran, dass, auch wenn einige nur geringes Interesse zeigten, sie doch manches auf den Weg genommen haben; Sätze, Geschichten, Beispiele, die sie wohl noch eine Weile begleiten und zum Nachdenken anregen werden.
        Das Vormittagsprogramm und die Mahlzeiten verbrachten wir außer Samstags (wegen der Tageswanderung) immer im großen Zelt. Dieses war Dank den Fackelträgern im afrikanischen Stil dekoriert worden, um mehr Atmosphäre hinein zu bringen.
        Am Nachmittag gab es im Laufe der Woche ganz verschiedene Programmpunkte. Mal boten wir Workshops an, mal spielten wir Gelände- oder Wasserspiele mit ihnen, oder forschten ihr Wissen. Wir stellten ihnen Aufgaben an verschiedenen Stationen, durchliefen gemeinsam den Hochseilgarten oder verbrachten einfach die Pausen gemeinsam. Wobei gegen Abend eher ruhigeres Programm war, oder zumindest solches das im Zelt stattfinden konnte (außer natürlich dem Lagerfeuer). Es gab Wettspiele, Karaokeabend, den Bunten Abend, an dem jede Gruppe etwas vorführte, einen Abend an dem wir mehr über Afrika erfahren konnten und Segnungsabende.
Die Teilnehmer bewältigten die verschiedenen Herausforderungen mit nur wenig Anstrengung. Sie entwickelten Teamgeist und lernten sich in einer Gruppe zu entfalten. Sie fragten womit sie uns helfen konnten, halfen freiwillig Tisch decken oder abwaschen. Sie unterstützten uns und dankten für unsere Mühe.
So mussten wir allmählig einsehen, dass unsere Angst vor Respektlosigkeit unnötig gewesen war, und dass sie durchaus fähig waren Menschen zu achten und mit Würde zu behandeln, wenn sie sich ernstgenommen fühlten.
        Natürlich mussten auch wir Strafen verhängen und ernste Worte austauschen, doch die kleinen Ausrutscher waren von geringer Bedeutung für uns.
Würden wir lernen die Menschen mit dem Herzen zu sehen und sie nicht mit dem bloßen Auge für ihre verzweifelten Versuche sich zu behaupten verurteilen, dann würden wir öfter erkennen, wie viel Gutes sich doch in diesen jungen Menschen verbirgt, besonders in jenen, von welchen wir kaum mehr etwas zu erwarten wagten.

        Dieses Lager – oder überhaupt die Lager – werden in meiner Biografie immer von großer Bedeutung sein. Durch die Jugendarbeit lernte ich verstehen, dass Gott mehr von uns will als nur ein zufällig gelebtes Leben. Hier lernte ich, dass helfen und sich verschenken die Seele um so vieles reicher macht. Hier habe ich gelernt, was es ausmacht zu einer Gemeinschaft zu gehören, in der man sich gegenseitig trägt und stärkt. Ich habe gesehen was für eine Kraft eine Gemeinschaft hat, die in Seinem Namen zusammenkommt.
Ich habe gesehen wie sich Menschen verändern, wie sich die scheinbar Schlimmsten mit Tränen in den Augen für ihre Fehler entschuldigen. Hier habe ich erkannt wie viele Menschen auf dieser Welt nicht genügend Liebe bekommen um sich zu entfalten und wie Gott trotz allem Liebe ausgießt und heilt was im Verborgenen verletzt wurde.

        „Wir brauchen Gott um Mensch zu sein!“ Das ist ein Satz, der mich in diesem Lager sehr angesprochen hat. Möge er auch Sie ansprechen und wie ein Ruf erklingen, dass wir uns erinnern wofür wir hier sind, dass wir uns um die Generation kümmern lernen auf die wir später angewiesen sein werden.
        Möge die Jugendarbeit noch lange bestehen und mögen solche Lager weiter stattfinden, denn sie sind – nicht nur für mich sondern für die meisten die dabei gewesen sind – wie ein Aufenthalt in einer anderen Welt. Weg von den Problemen des Alltags auf der Suche nach dem Gott der Liebe, als Teil einer Gemeinschaft, die Kraft hat uns daran zu erinnern, was Leben eigentlich bedeutet.
        So möchte ich allen danken, die diese Lager jährlich möglich machen. Den Leitern Wolfgang und Cristina Arvay, Gerhard Seravtius-Depner und Joachim Lorenz, die sich so hingebungsvoll dieser Arbeit zuwenden. Den Mitarbeitern, deren Hilfe und Unterstützung ich in dieser Zeit so liebevoll genießen durfte; all den einzelnen Teilnehmern die ich lieben gelernt habe, die mein Leben berührt und mich so reich beschenkt haben, und nicht zuletzt der Missionsgemeinschaft der Fackelträger, die uns jährlich das Gelände zur Verfügung stellen und uns mit der Organisation und den vielen anderen Sachen, die dazugehören, helfen und dieses alles ermöglichen!
        Doch mehr noch danke ich Gott! Ich danke Ihm, dass Er uns in dieser kalten Gesellschaft zum Leben berufen hat. Ich danke Ihm, dass Er uns ruft uns gegenseitig zu lieben und Gutes zu tun.



(Rahel Türk-König)