Evangelische Kirchengemeinde A.B. Hermannstadt

KirchenrenovierungKirchenrenovierung

 

Erdbebensicher oder Denkmalgerecht?

Der letzte Herbst war von kontroversen Diskussionen in Sachen Kirchenrenovierung geprägt. Hauptsächlich ging es um die Art, wie die Schäden an Dachstuhl und Gewölbe behoben werden sollen. Hier prallten zwei Kulturen aufeinander, die sich trotz zeit- und geldintensiven Bemühungen des Presbyteriums nicht in Einklang bringen ließen.  Bis heute.

Am weitesten gehen die Meinungen in zwei Punkten auseinander: der Erdbebensicherung und der Befestigung der  Gewölberippen.  Die im Projekt eingebundenen deutschen Fachleute, allesamt ausgewiesene Spitzenkräfte auf dem Gebiet der Restaurierung von Baudenkmälern, setzen – vereinfacht gesagt - auf eine handwerksmäßige Ertüchtigung des Dachstuhls und der Mauerkronen und berechnen den Einbau von Zugankern in Mittel- und Seitenschiff als ausreichenden Erdbebenschutz.

Die rumänischen Statik-Ingenieure, ebenfalls anerkannte Fachleute, halten eine viel massivere Lösung für notwendig, die zusätzlich einen Betonringanker auf der Innenseite der Mauerkrone vorsieht, der durch eine weitere Ebene von Stahlankern versteift wird. Daran werden nun an der Oberseite des Gewölbes Rippen aus verleimtem Holz abgestützt, an denen die darunterliegenden Gewölberippen befestigt werden.

Das ist nicht ohne erhebliche Schäden an historischer Substanz durchzuführen, sei technisch sehr schwer zu realisieren und würde den Kostenrahmen sprengen, meint die westeuropäische Seite. Das ist die vom gesetzlich vorgesehenen Erdbebenschutz her gesehene Minimal-Variante, halten die hiesigen Ingenieure dagegen; sie ist von den Firmen-Angeboten her als durchführbar ausgewiesen – ein vom rumänischen Denkmalamt wie auch von den EU-Finanzierungsstellen bewilligtes Projekt.

Etliche Fachgespräche in Hermannstadt und Bukarest bringen keine Einigung. Und die Zeit drängt, da der Zeitplan der Umsetzung des Projektes nicht noch mehr strapaziert werden kann.

Klar ist: die Stadtpfarrkirche benötigt eine Konsolidierung. Und selbst, wenn die Kirchengemeinde dieses Projekt abbrechen würde, um ein anderes neu aufzubauen (inklusive Finanzierung), würde sie wiederum vor dieselbe Bukarester Denkmalkommission kommen, nach deren Vorgaben in Sachen Erdbebenschutz  das erste bereits erstellt und bewilligt wurde.

Das ist einer der wichtigen Gründen, der das Presbyterium bewegt, zu entscheiden, das Projekt fortzusetzen - nicht leichten Herzens, dafür aber mit einem geschärften Blick für die Schutzbedürftigkeit dieses alten Gotteshauses. Und der wird nötig sei, um bei den vielen Entscheidungen, die die Arbeiten in den nächsten beiden Jahren begleiten werden, den besten Weg zwischen Denkmalverträglichkeit und rumänischer Gesetzeslage zu finden.

Kilian Dörr

 


Hilfeschrei der Stadtpfarrkirche

Stützgerüst zur Gewölbesicherung

Was ist hier denn zu sehen? Eine Touristin blickt zögernd in die evangelische Stadtpfarrkirche von Hermannstadt und erwägt, ob sich eine Eintrittskarte zu einem Leu hier lohnt. Gerüste überall im Hauptschiff, mehr als siebzig Kubikmeter. Die Epitaphien, von denen sie in ihrem Reiseführer gelesen hat, sind von Brettern verdeckt, die große und berühmte Sauer-Orgel mit der historischen Schauseite aus dem 17. Jahrhundert ist unsichtbar, wenn auch noch zu hören.

Schadhafter Gebindefußpunkt mit provisorischen Altreparaturen

Trotz alledem: in diesem Sommer haben Tausende von Touristen unsere Kirche besucht und vor allem einen Eindruck von den Problemen mitgenommen, mit denen dieses Wahrzeichen der Stadt und seine Gemeinde konfrontiert sind. Das massive Innengerüst soll zunächst die Einsturzgefahr bannen. Die Holzplattform unterm Gewölbe hält pro Quadratmeter eine Tonne Gewicht aus. Schon beim Anblick eines Fotos dieser Konstruktion hat Orgelbaumeister Christian Scheffler aus dem entfernten Frankfurt an der Oder voll Bewunderung geschrieben: „was man mit Holz alles kann! Ein wahres Kunstwerk!!“

Feuchtehorizont im Sockelbereich
Gewölbeabriss

Dieser Tage (im Oktober 2008) kann man immer wieder eine junge Architektin in der Kirche antreffen, die sinnend vor Mauerrissen sitzt, fotografiert, schreibt, nachdenkt und auch bereit ist, Auskunft zu geben. Sie erstellt im Namen des Architekturbüros Dr. Achim Krekeler aus Brandenburg in Deutschland eine genaue Bestandsaufgnahme des über fünfhundert Jahre alten Gebäudes. Am Sonntag besucht sie auch den Gemeindegottesdienst. Es ist, als wolle sie sich ganz hineinversetzen in die Lage der evangelischen Kirche. Wer diese Stadt besucht, kommt als Besucher sehr wahrscheinlich auch an diesen Ort. Für manche ist er Arbeitsstelle, für die Gemeinde Sammelpunkt, für Kinder ein idealer Spielplatz und für Nachtschwärmer ein verwunschener Winkel mitten in der Altstadt.

Historisches Photo von den Renovierungsarbeiten 1955/56

Wie wird es weitergehen mit unserer Stadtpfarrkirche? Wird die Gemeinde die Energie aufbringen, die anstehenden großen Renovierungsarbeiten zu ermöglichen? Schon nur das Ausmaß aller Schäden und Schwachstellen herauszufinden, erfordert zur Zeit ungeahnten personellen und finanziellen Einsatz.

Aus eigener Kraft werden wir es nicht schaffen können. Für jede Hilfe, für jedes Mitdenken und Mitfühlen, auch für jede materielle Spende sind wir dankbar.

 

Weitere Details, wie sie mithelfen können, finden Sie unter "Kontakt".

 

 

 

 

 

 


27.01.12

Im Februar gibt es wieder an jedem Samstag um 18 Uhr in der Sakristei der Stadtpfarrkirche

 
11.01.12

Ab Januar feiert unsere Kirchengemeinde ihre Gottesdienste in der Sakristei der Stadtpfarrkirche

 

22.12.11

Der aktuelle Gemeindebrief zum Jahreswechsel 2011/2012 kann hier angesehen werden.

 

26.11.11

Zum Jubiläums-konzert in der Stadtpfarrkirche schrieb Hannelore Baier in der ADZ.