WGT 2018 - Rückblick

Rückblick in Worten und Bildern - Bericht 2018

 

 

WGT Surinam - 2. März 2018

Landesweite Werkstatt der Frauenarbeit der EKR

für Weltgebetstags-Multiplikatorinnen

„Gottes Schöpfung ist sehr gut“ lautet Thema des Weltgebetstages 2018, für den Frauen aus Surinam die Gebetsordnung geschrieben haben. Sie stellen die Schöpfungsgeschichte in den Mittelpunkt und lenken unsere Gedanken vom Alltagsstress und Konsumdenken, von Einkaufsmärkten und Raffsucht zu dem, das uns tatsächlich umgibt, zu Natur und Umwelt. Aber wo liegt denn dieses Land überhaupt? Kaum jemand hat davon gehört. Weil es auf dem südamerikanischen Kontinent liegt? Weil es klein ist? Weil dessen Küstenstrände nicht als Badestrände geeignet sind und somit keinen touristischen Magnet darstellen?

Tatsächlich ist Surinam mit seiner Fläche von rund 160.000 Quadratmetern das kleinste Land in Südamerika und liegt im Nordosten des Kontinentes, zwischen Guyana und Französisch Guyana. Mit seinen knapp 550.000 Einwohnern, die zu 90% am Küstenstreifen des Landes leben - davon die Hälfte in der Hauptstadt Paramaribo mit seinen vielen Bauten im Kolonialstil, die zum Unesco Weltkulturerbe gehören, mit seinen tropischen Regenwälder, die bis zu 90% der Landesfläche decken und nur schwer über die Flüsse erreicht und erforscht werden können, mit seinen über 700 Vogelarten, unzähligen Tier-, Baum- und Pflanzenarten, für die es größtenteils keine deutsche Bezeichnung gibt, mit all dem ist Surinam ein besonderes Land. Fauna und Flora bieten nicht nur einzigartige Farben und Formen, sondern auch genügend Nahrung für alle Bewohner des Landes. Was macht Surinam noch aus? Ist es die Tatsache, dass die Menschen traditionell in selbstverständlicher Toleranz mit- und nebeneinander leben, dass sie eine Moschee direkt neben einer Synagoge unweit einer christlichen Kirche gebaut haben, dass sie  ihre Traditionen bewahrt haben? Surinam erlangte 1975 seine Unabhängigkeit von den Niederlanden, hat sowohl Kolonialzeit als auch Sklaverei und Ansiedlung von Arbeitsmigranten aus Asien durchgemacht. So leben heute Arawaken, Maroons, Kreolen, Chinesen, Hindustanen, Javanen, Buren und Libanesen in Frieden miteinander. Surinam ist ein junger Staat und als solches noch im immer im Aufbau und Selbstfindungsprozess einbegriffen, die politische und wirtschaftliche Probleme erlauben.

Die Gottesdienstordnung für den 2. März 2018 bringt uns die Dankbarkeit der Frauen aus Surinam für den Reichtum ihres Landes, für den Frieden, für die kulturelle und ethnische Vielfalt, aber auch zugleich eine Mahnung zur Bewahrung der Schöpfung weltweit, denn „Was Gott erschaffen hat, ist immer gut“ und wir haben die Verantwortung, diese Schöpfung an unsere Nachfolger heil weiterzugeben. Der zentrale Bibeltext steht im 1. Buch Mose/ Genesis, Kapitel 1, Verse 1-31. In den ersten fünf Tagen, bevor der Mensch erschaffen wurde, wurde alles vorbereitet, was zum Leben nötig ist. Wir Menschen, aus allen Teilen der Welt, sind ein Teil von Gottes guter Schöpfung – uns alle, Männer wie Frauen, hat Gott nach seinem Bild erschaffen und hat uns damit eine Aufgabe, eine Verantwortung aufgetragen: wir sollen, als seine Stellvertreter auf Erden, gutes Leben für alle ermöglichen und die Chaosmächte, die uns bedrohen, in die Schranken weisen, sie beherrschen. Diese Ebenbildlichkeit, als Aufgabe des Menschen, fordert von uns ein totales Umdenken, weg von der Ich – Bezogenheit hin zu Gott, der letzten Endes unsere Heimat ist. Wenn dieses Bestreben zu Gott hin, was ein lebenslanger Prozess ist, gelingt – erfüllen wir unsere Gottebenbildlichkeit. Wir sind nicht allein auf unserem Weg – gegenseitige Bestärkung und Ermutigung ist wichtig, und vor allem die Bitte um Gottes Beistand in diesem Vorhaben. Denn ... „siehe, es war sehr gut!“ ... und „es wird einen neuen Himmel und eine neue Erde geben!“

Insgesamt 31 WGT-Mitarbeitende aus 11 Gemeinden der EKR nahmen am Wochenende 19.-21. Januar 2018 an der landesweiten Multiplikatorinnen-Werkstatt der Frauenarbeit der EKR teil und können sich nun gestärkt mit Informationen in ihren und weiteren Gemeinden aktiv zur Gestaltung der WGT - Studientage und Gottesdienste einbringen. „Es braucht Mut, Mitgefühl und aktives Engagement, um Gerechtigkeit walten zu lassen. Als Christen können wir mit unseren Gaben zur Umsetzung beitragen.“ (Gd-Ordnung S. 17).

In diesem Jahr wird die Kollekte für ein Projekt zur Ausbildung von Gesundheitsassistenten eingehoben, die für medizinische Versorgung im schwer erreichbaren Urwaldgebiet von Surinam verantwortlich sind. Dazu gehören Begleitung von Schwangerschaft, Geburt, Versorgung von Neugeborenen, Bereitstellung von Medikation und Impfungen, Wundversorgung, sowie Ärzte per Funk erreichen und Patienten mit dem Flugzeug ins Krankenhaus nach Paramaribo zu bringen. 

Surinam ist ein interessantes Land, bunt, vielfältig, artenreich. Die Werkstatt – TeilnehmerInnen haben es in Wörtern, Bildern, Musik, sowie in landestypischen Essen und Getränken kennengelernt und haben begeistert das Themenlied der Kindergottesdienstordnung „I love my pretty country Suriname“ mitgesungen. Mit diesem musikalischen Gruß erreichten sie die WGT – Frauen weltweit, da er von den Mitarbeiterinnen aus der New Yorker WGT-Geschäftsstelle im Internet geteilt wurde. Nun richten sich unsere Gedanken und Pläne auf die nächsten Wochen, denn es gilt, Surinam auch in den eigenen Gemeinden bekannt zu machen und den Weltgebetstag vorzubereiten.

Rumänischsprachige Gottesdienstordnung 

 

 

WGT 2017 - Rückblick

Rückblick in Worten und Bildern - Bericht 2017 

 

 

 

WGT Philippinen - 3. März 2017

„Am I being unfair to you? Bin ich ungerecht zu euch? Habe ich dir Unrecht getan? Was ist denn fair?”

Der Weltgebetstag 2017 hat zum Nachdenken angeregt: Schon der erste Blick auf das Plakat und auf die Gottesdienstordnung haben Interesse geweckt. Die lebendigen Farben, das Bild der Frau mit der Waage in der Hand und der Titel haben uns aufmerksam und neugierig gemacht. Die Tradition der „Dagyaw“, der Hilfsbereitschaft beim Pflanzen und Ernten von Reis, erinnerte uns an die siebenbürgisch sächsischen Nachbarschaften von früher. So spannten konnten unsere Gemeindeglieder einen Bogen von den Philippinnen direkt nach Siebenbürgen spannen.

Im März d.J. sind landeskirchenweit 27 Gottesdienste in 24 Ortschaften gefeiert worden. Es haben Gemeindeglieder aus 43 evangelischen Gemeinden teilgenommen, insgesamt mehr als 1000 Frauen und Männer aller Altersgruppen. In 4 Gemeinden haben Lehrerinnen und Pfarrerinnen 6 Kindergottesdienste gestaltet. Die Kollekte betrug 7564.45 Lei und ist unsere bisher größte WGT-Kollekte. So konnten wir auch in diesem Jahr trotz eigenen oftmals schweren Situationen (kleine Einkommen, verstreut lebende Gemeindeglieder und schrumpfende Gemeinden) Teil der größten ökumenischen Basisbewegung sein und „informiert beten“ und „betend handeln“. In diesem Sinne ist die Kollekte am 15. Mai direkt in die Philippinen überwiesen worden. Unsere Kontaktperson beim Deutschen Club Manila ist verantwortlich für die sozialen Projekte vor Ort und wird auf Beschluss des Vorstandes der Frauenarbeit die Hälfte dieser Geldsumme für das Blindenheim für Mädchen und die andere Hälfte für ein Kinderernährungsprogramm einsetzen können.

Im Vorfeld fanden eine landesweite, drei regionale und viele lokale Vorbereitungstreffen statt. Am dritten Wochenende im Januar kamen 28 Multiplikatorinnen aus 8 Gemeinden der EKR nach Michelsberg ins Elimheim, um Informationen und Material für die Weltgebetstagsfeiern in den Gemeinden einzuholen. Dank Materialspenden von dem Deutschen und dem Schweizerischen WGT-Komitee, sowie der informierten Einarbeitung unserer vier Referentinnen bei den Bundeswerkstätten in Deutschland und Österreich konnten die Multiplikatorinnen viel Neues erfahren und bereichert in ihre Gemeinden zurückkehren. In Mediasch und Kronstadt fanden gut besuchte regionale Studientage in deutscher Sprache statt, in Broos ein ökumenischer Studientag in rumänischer Sprache, an dem 36 Frauen aus 6 Ortschaften teilnahmen. In vielen Gemeinden wurden Thema und Bibeltext über mehrere Wochen hinaus im Rahmen der Bibelkreise, Seniorentreffen und Frauenkreise behandelt, so z.B. in Forgarasch, Malmkrog und Mediasch. In jedem Ort haben sich Frauen aktiv eingebracht, vom Dekorieren, Kochen, Singen bis Vorlesen, sie haben begeistert mitgemacht. Von Ländervorstellung bis Predigt – jede Frau hat ihre Gaben vor Gott gebracht. Aus mehreren Berichten geht hervor, dass unter den Frauen eine entspannte, lockere Atmosphäre herrschte. Sie hatten „Spaß an der Sache“ (Bukarester Bericht). Die Lieder wurden oftmals im Kirchenchor (Fogarasch, Kronstadt, Malmkrog, Petersdorf) oder in extra gegründeten Musikgruppen (Heltau) einstudiert. Sie haben allen sehr gefallen und „werden sicher auch weiterhin immer wieder gesungen“ (Neppendorfer Bericht). Das Titelbild ist als faszinierend empfunden worden und hat sehr zum Nachdenken angeregt. Die Gemeinden fanden den Gedanken interessant, dass die Gerechtigkeit mit offenen Augen dargestellt wird, im Gegensatz zu den anderen Figuren auf dem Bild, die allesamt kein Gesicht haben. Die schlimme Lage, der als Haushaltshilfen oft schrecklich ausgebeuteten philippinischen Frauen, berührte viele. Die Schere zwischen Armut und Reichtum, eine Folge von Korruption und Ungerechtigkeit, sind empörend und bedauerlich. Auch die große Anzahl von Straßenkinder ist als erschreckend empfunden worden.

In Bistritz, Heltau, Hermannstadt, Neppendorf und einigen Dorfgemeinden wie Rode und Schweischer fand vor der Gottesdienstfeier auch ein Informationsteil statt. Mancherorts wird auch landesübliches Essen und Trinken angeboten, von Obst, Sesamstangen gekochten Reisgerichten, bis Fruchtsäfte und -tees. Diese Verkostung wird schon lange vorher erwartet. Die Leute sind interessiert daran, etwas über andere Länder, über deren Menschen und Kulturen zu erfahren. Auch die wenigen Gemeindeglieder auf den Dörfern freuen sich sehr, „wenn einmal etwas Besonderes angeboten wird. Sie sind sehr offen für alles, solange es mit dem Evangelium im Einklang steht“ (Bericht Rode).

„Gut gelungen sind, wie jedes Mal, die Zusammenarbeit und das Gemeinschaftsgefühl, Freude beim Singen, die eifrige Vorbereitung“ heißt es im Bukarester Bericht. In Bistritz, Bukarest und Schäßburg gelingt die Zusammenarbeit mit der reformierten Kirche besonders gut, in Broos und Petersdorf mit der orthodoxen Kirche. In Mediasch haben Frauen aus der reformierten, unitarischen, römisch-katholischen, griechisch-katholischen und der orthodoxen Kirche bei der Gestaltung des Gottesdienstes mitgewirkt. „Es war ein gelungenes Ereignis in unserer ökumenischen Arbeit vor Ort“, ist im Bericht vermerkt. In vielen Gemeinden beruht ökumenische Zusammenarbeit jedoch nur auf persönliche Kontakte. Es sind meistens anderskonfessionelle Nachbarn, Freunde, Arbeitskollegen, Anverwandte oder Bekannte, die begeistert mitwirken und/ oder gerne teilnehmen. Mancherorts scheitert die Ökumene wegen der sprachlichen Vielfalt unseres Landes. Insgesamt herrscht jedoch gelebte Basisökumene und Freude an dieser weltweiten Bewegung, sowie ein buntes Miteinander von Kindern, Jugendlichen und Senioren, von Frauen und Männern. Der Weltgebetstag gehört in den meisten Ortschaften zum festen Gottesdienstplan und wird mit Neugier erwartet, mit Freude gestaltet und von den Gemeinden mit Dankbarkeit angenommen.

Die Sprache in den Gottesdiensten war meistens Deutsch, selten auch Rumänisch (Broos, Petersdorf), die Anzahl der Gottesdienstbesucher schwankt zwischen 8 (Kleinalisch) und 170 (Kronstadt), ist zwar von Ort zu Ort verschieden, hat aber nicht nur mit der Größe der Ortschaft zu tun. Die Multiplikatorinnen in Hermannstadt z.B., der größten Gemeinde unserer Landeskirche, haben große Schwierigkeiten mit der Zusammenstellung des Teams gehabt und enttäuschend schwachen Gottesdienstbesuch (etwa 60), wobei in kleineren Gemeinden wie Malmkrog oder Heltau 40 und bzw. 55 Teilnehmende gezählt wurden, in Broos 36, und alle Sitzplätze im Gottesdienstraum waren besetzt. In vielen Gemeinden bringen sich auch Jugendliche und junge Frauen mit ihren Gaben und technischen Fähigkeiten aktiv ein.

„Gott der Gerechtigkeit sendet uns aus, um Samen der Hoffnung auszusäen, damit sie Früchte der Befreiung und Liebe werden“, heißt es im Schlußgebet der Gottesdienstordnung. So möchten wir auch weiterhin Samen säen und erwarten gespannt den nächsten WGT, der von Frauen aus Surinam, dem kleinsten Land in Südamerika, vorbereitet wird. Der Vorstand der Frauenarbeit hat in seiner letzten Sitzung aufgrund der Vorschläge aus den Gemeinden und deren Bedarf nach angepasstem Material beschlossen, sich um eine eigene Übersetzungen ins Deutsche und Rumänische zu bemühen. Auch das sind sind Zeichen von gelebter Freude und wahrgenommener Weltgebetstagsarbeit, die für viele ein Höhepunkt im Jahr darstellt.

 

Margit Kézdi

Frauenbeauftragte der EKR