Weltgebetstag

Philippinen: „Am I being unfair to you? Bin ich ungerecht zu euch? Habe ich dir Unrecht getan? Was ist denn fair?”

Der Weltgebetstag 2017 hat zum Nachdenken angeregt: Schon der erste Blick auf das Plakat und auf die Gottesdienstordnung haben Interesse geweckt. Die lebendigen Farben, das Bild der Frau mit der Waage in der Hand und der Titel haben uns aufmerksam und neugierig gemacht. Die Tradition der „Dagyaw“, der Hilfsbereitschaft beim Pflanzen und Ernten von Reis, erinnerte uns an die siebenbürgisch sächsischen Nachbarschaften von früher. So spannten konnten unsere Gemeindeglieder einen Bogen von den Philippinnen direkt nach Siebenbürgen spannen.

Im März d.J. sind landeskirchenweit 27 Gottesdienste in 24 Ortschaften gefeiert worden. Es haben Gemeindeglieder aus 43 evangelischen Gemeinden teilgenommen, insgesamt mehr als 1000 Frauen und Männer aller Altersgruppen. In 4 Gemeinden haben Lehrerinnen und Pfarrerinnen 6 Kindergottesdienste gestaltet. Die Kollekte betrug 7564.45 Lei und ist unsere bisher größte WGT-Kollekte. So konnten wir auch in diesem Jahr trotz eigenen oftmals schweren Situationen (kleine Einkommen, verstreut lebende Gemeindeglieder und schrumpfende Gemeinden) Teil der größten ökumenischen Basisbewegung sein und „informiert beten“ und „betend handeln“. In diesem Sinne ist die Kollekte am 15. Mai direkt in die Philippinen überwiesen worden. Unsere Kontaktperson beim Deutschen Club Manila ist verantwortlich für die sozialen Projekte vor Ort und wird auf Beschluss des Vorstandes der Frauenarbeit die Hälfte dieser Geldsumme für das Blindenheim für Mädchen und die andere Hälfte für ein Kinderernährungsprogramm einsetzen können.

Im Vorfeld fanden eine landesweite, drei regionale und viele lokale Vorbereitungstreffen statt. Am dritten Wochenende im Januar kamen 28 Multiplikatorinnen aus 8 Gemeinden der EKR nach Michelsberg ins Elimheim, um Informationen und Material für die Weltgebetstagsfeiern in den Gemeinden einzuholen. Dank Materialspenden von dem Deutschen und dem Schweizerischen WGT-Komitee, sowie der informierten Einarbeitung unserer vier Referentinnen bei den Bundeswerkstätten in Deutschland und Österreich konnten die Multiplikatorinnen viel Neues erfahren und bereichert in ihre Gemeinden zurückkehren. In Mediasch und Kronstadt fanden gut besuchte regionale Studientage in deutscher Sprache statt, in Broos ein ökumenischer Studientag in rumänischer Sprache, an dem 36 Frauen aus 6 Ortschaften teilnahmen. In vielen Gemeinden wurden Thema und Bibeltext über mehrere Wochen hinaus im Rahmen der Bibelkreise, Seniorentreffen und Frauenkreise behandelt, so z.B. in Forgarasch, Malmkrog und Mediasch. In jedem Ort haben sich Frauen aktiv eingebracht, vom Dekorieren, Kochen, Singen bis Vorlesen, sie haben begeistert mitgemacht. Von Ländervorstellung bis Predigt – jede Frau hat ihre Gaben vor Gott gebracht. Aus mehreren Berichten geht hervor, dass unter den Frauen eine entspannte, lockere Atmosphäre herrschte. Sie hatten „Spaß an der Sache“ (Bukarester Bericht). Die Lieder wurden oftmals im Kirchenchor (Fogarasch, Kronstadt, Malmkrog, Petersdorf) oder in extra gegründeten Musikgruppen (Heltau) einstudiert. Sie haben allen sehr gefallen und „werden sicher auch weiterhin immer wieder gesungen“ (Neppendorfer Bericht). Das Titelbild ist als faszinierend empfunden worden und hat sehr zum Nachdenken angeregt. Die Gemeinden fanden den Gedanken interessant, dass die Gerechtigkeit mit offenen Augen dargestellt wird, im Gegensatz zu den anderen Figuren auf dem Bild, die allesamt kein Gesicht haben. Die schlimme Lage, der als Haushaltshilfen oft schrecklich ausgebeuteten philippinischen Frauen, berührte viele. Die Schere zwischen Armut und Reichtum, eine Folge von Korruption und Ungerechtigkeit, sind empörend und bedauerlich. Auch die große Anzahl von Straßenkinder ist als erschreckend empfunden worden.

In Bistritz, Heltau, Hermannstadt, Neppendorf und einigen Dorfgemeinden wie Rode und Schweischer fand vor der Gottesdienstfeier auch ein Informationsteil statt. Mancherorts wird auch landesübliches Essen und Trinken angeboten, von Obst, Sesamstangen gekochten Reisgerichten, bis Fruchtsäfte und -tees. Diese Verkostung wird schon lange vorher erwartet. Die Leute sind interessiert daran, etwas über andere Länder, über deren Menschen und Kulturen zu erfahren. Auch die wenigen Gemeindeglieder auf den Dörfern freuen sich sehr, „wenn einmal etwas Besonderes angeboten wird. Sie sind sehr offen für alles, solange es mit dem Evangelium im Einklang steht“ (Bericht Rode).

„Gut gelungen sind, wie jedes Mal, die Zusammenarbeit und das Gemeinschaftsgefühl, Freude beim Singen, die eifrige Vorbereitung“ heißt es im Bukarester Bericht. In Bistritz, Bukarest und Schäßburg gelingt die Zusammenarbeit mit der reformierten Kirche besonders gut, in Broos und Petersdorf mit der orthodoxen Kirche. In Mediasch haben Frauen aus der reformierten, unitarischen, römisch-katholischen, griechisch-katholischen und der orthodoxen Kirche bei der Gestaltung des Gottesdienstes mitgewirkt. „Es war ein gelungenes Ereignis in unserer ökumenischen Arbeit vor Ort“, ist im Bericht vermerkt. In vielen Gemeinden beruht ökumenische Zusammenarbeit jedoch nur auf persönliche Kontakte. Es sind meistens anderskonfessionelle Nachbarn, Freunde, Arbeitskollegen, Anverwandte oder Bekannte, die begeistert mitwirken und/ oder gerne teilnehmen. Mancherorts scheitert die Ökumene wegen der sprachlichen Vielfalt unseres Landes. Insgesamt herrscht jedoch gelebte Basisökumene und Freude an dieser weltweiten Bewegung, sowie ein buntes Miteinander von Kindern, Jugendlichen und Senioren, von Frauen und Männern. Der Weltgebetstag gehört in den meisten Ortschaften zum festen Gottesdienstplan und wird mit Neugier erwartet, mit Freude gestaltet und von den Gemeinden mit Dankbarkeit angenommen.

Die Sprache in den Gottesdiensten war meistens Deutsch, selten auch Rumänisch (Broos, Petersdorf), die Anzahl der Gottesdienstbesucher schwankt zwischen 8 (Kleinalisch) und 170 (Kronstadt), ist zwar von Ort zu Ort verschieden, hat aber nicht nur mit der Größe der Ortschaft zu tun. Die Multiplikatorinnen in Hermannstadt z.B., der größten Gemeinde unserer Landeskirche, haben große Schwierigkeiten mit der Zusammenstellung des Teams gehabt und enttäuschend schwachen Gottesdienstbesuch (etwa 60), wobei in kleineren Gemeinden wie Malmkrog oder Heltau 40 und bzw. 55 Teilnehmende gezählt wurden, in Broos 36, und alle Sitzplätze im Gottesdienstraum waren besetzt. In vielen Gemeinden bringen sich auch Jugendliche und junge Frauen mit ihren Gaben und technischen Fähigkeiten aktiv ein.

„Gott der Gerechtigkeit sendet uns aus, um Samen der Hoffnung auszusäen, damit sie Früchte der Befreiung und Liebe werden“, heißt es im Schlußgebet der Gottesdienstordnung. So möchten wir auch weiterhin Samen säen und erwarten gespannt den nächsten WGT, der von Frauen aus Surinam, dem kleinsten Land in Südamerika, vorbereitet wird. Der Vorstand der Frauenarbeit hat in seiner letzten Sitzung aufgrund der Vorschläge aus den Gemeinden und deren Bedarf nach angepasstem Material beschlossen, sich um eine eigene Übersetzungen ins Deutsche und Rumänische zu bemühen. Auch das sind sind Zeichen von gelebter Freude und wahrgenommener Weltgebetstagsarbeit, die für viele ein Höhepunkt im Jahr darstellt.

 

Margit Kézdi

Frauenbeauftragte der EKR