Siebenbürgische Partnerarbeit (Referat für Institutionelle Kooperation der EKR)

Die Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien hat heute nicht nur den Auftrag zum Dienst an den eigenen Mitgliedern, sondern sie hat auch einen Missionsauftrag jenseits der Gemeinde- und auch Landesgrenzen. Ein wichtiger Teil der Arbeit jenseits der Grenzen ist der Dienst an den gewesenen Gemeindegliedern, die im Laufe der letzten Jahrzehnte ausgewandert sind.

Die Gesamtgröße dieser Gruppe kann mit rund 250.000 angegeben werden, wobei in der Bundesrepublik Deutschland über 200.000 leben, in Österreich und in Übersee (Kanada und Vereinigte Staaten) noch einmal 30.000. Ihr Schicksal ist Teil der großen Europäischen Geschichte im 20. Jahrhundert. Für die Fragen dieser mit der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien verbundenen Gruppe hat das Landeskonsistorium 2011 das „Referat für Institutionelle Kooperation“ eingerichtet. Es hat die Aufgabe, die Verbindungen zwischen den Organisationen der Siebenbürger Sachsen und evangelischen Banater Schwaben im Ausland und der EKR herzustellen, gemeinsame Projekte auszuarbeiten aber auch die Anliegen von einzelnen Gemeindegliedern aufzunehmen.

Ausbildung an deutschen Universitäten: Vier siebenbürgische Studenten in Tübingen im Jahre 1860.
Flucht und Evakuierung bringen 1944 Chaos: In den "Kirchlichen Blättern" wird 1947 nach dem "Draaser Schwert" gesucht.
Traditionelle siebenbürgisch-sächsischer Brauchtumspflege im Ausland: Hier im deutschen Dinkelsbühl.
Die "Siebenbürgische Zeitung" - das Organ der Gemeinschaften der Siebenbürger Sachsen in Deutschland.

Geschichte

Die Beziehungen der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien bzw. in Siebenbürgen zum Ausland sind seit jeher von besonders hoher Bedeutung. Bis in die 1950er-Jahre gab es hier kein protestantisches theologisches Institut, sodass die gesamte Pfarrerschaft die Ausbildung an Universitäten im Ausland absolvieren musste. Bedeutende Vertreter der Kirche der Siebenbürger Sachsen prägten schon in der Vergangenheit die evangelisch-lutherischen Kirchen in Deutschland und Österreich: So waren mit Christian Heyser und Andreas von Gunesch im 19. Jahrhundert ein Kronstädter und ein Mediascher Superintendenten der Evangelischen Superintendentur A. B. Wien.

Nach der Gründung Großrumäniens in den Folgejahren des Ersten Weltkrieges, besonders aber durch Etablierung des totalitären Regimes nach dem Zweiten Weltkrieg stellten sich die Auslandsbeziehungen schwieriger dar, waren aber von umso größerer Wichtigkeit.

Die große Auswanderungsbewegung der deutschsprachigen Minderheiten Rumäniens war schließlich eine Folge des Zweiten Weltkrieges. 30.000 Gemeindeglieder aus Nordsiebenbürgen (Generaldekanat Bistritz) samt ihren Geistlichen, im Gepäck die Matrikeln und Vasa Sacra, flüchteten 1944 vor der heranrückenden Roten Armee über Ungarn nach Österreich und Deutschland.

Je 15.000 Gemeindeglieder kamen später zu dieser Gruppe hinzu. Die einen durch die Entlassung aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft, die andern durch falsche Repatriierung aus der sowjetischen Deportation. Diese 60.000 wurden als Einzelne vorwiegend in Österreich, Bayern, Baden-Württemberg und dem Rheinland ansässig.

In den folgenden Jahren bahnte sich - im Rahmen der humanitären Familienzusammenführungen - ein steter, wenn auch geringer Fluss der Ausreise aus Rumänien in die freien westlichen Länder an. Die deutsche Gesetzgebung anerkannte die aus Rumänien Kommenden Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben als „Volksdeutsche Aussiedler“ und gewährte ihnen die gleichen Rechte wie den während dem Krieg Vertriebenen. Das ermöglichte den Auswandernden einen gesicherten rechtlichen und materiellen Neustart.

1962 verstärkte sich die Auswanderung noch einmal, nachdem die Unterhändler der deutschen Bundesregierung mit der rumänischen kommunistischen Regierung Verhandlungen über Freikauf begannen und 1970 jährliche Kontingente für Aussiedler festlegt wurden.

Zu jeder Zeit sind die Siebenbürger Sachsen von den Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland willkommen geheißen worden. Einen leidvollen Weg hatten die ohne Freistellung seitens des Landeskonsistoriums auswandernden Pfarrer der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, die über Jahre hinweg in den Gliedkirchen der EKD keinen Zugang zum Pfarramt hatten.

Nach der Wende schloss sich eine weitere Welle von etwa 90.000 Gemeindeglieder ihren Familien in Deutschland an und nutzten damit das noch „offene Tor“, da sie auch im neuen Rumänien keine Zukunft sahen.

Als letzte Gruppe dieser Migration sind die Studien- und Arbeitsmigranten aus unseren Gemeinden zu nennen, die sich nach dem Eintritt Rumäniens in die Europäische Union (2007) vorübergehend oder dauernd in Deutschland aber auch in anderen Ländern West- und Südeuropas aufhalten. Sie sind in der großen Mehrheit weiter Mitglieder ihrer Heimatgemeinden und werden von diesen nach Möglichkeit betreut.

Pfr. Dr. Stefan COSOROABĂ, Referent für Institutionelle Kooperation

Gegenwart

Trotz ihrer Mitgliedschaft in den Gliedkirchen der EKD und einer meist guten Wirtschaftslage haben die Siebenbürger Sachsen im Ausland noch immer eine große Heimatverbundenheit, die sich auch in einer Verbundenheit mit der EKR äußert, da sie die Form der Gemeinschafts-und Genossenschaftskirche, wie sie in ihrer siebenbürgischen Heimat gelebt wurde, in Deutschland nicht wiederfanden.

Deswegen sieht sich die EKR im Gespräch mit der EKD und deren Gliedkirchen in die Pflicht genommen, auch für die ehemaligen Gemeindeglieder da zu sein.

Eine Anzahl von ca. 5000 ehemaligen Gemeindegliedern hält sich auch regelmäßig während des Sommers in den Heimatgemeinden auf. Die privaten Verbindungen über die Grenzen hinweg haben nie aufgehört. Nun hat die EKR auch institutionelle Schritte unternommen, um den Kontakt zwischen der EKR und den ehemaligen Gemeindegliedern wieder herzustellen.

 

Kontakt:

Referat für Institutionelle Kooperation der EKR
Pfr. Dr. Stefan Cosoroabă

Karlstrasse 100
D-80335 München

E-Mail: ekr@siebenbuerger.de
Telefon: 0049-89-236609-15